Gute und böse Bakterien in der Scheidenflora – Dr. Fabienne Windischbauer berichtet

Gute Bakterien, gesunde Balance – was Frauen über ihre Scheidenflora wissen sollten.

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Dr. Fabienne Windischbauer - Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe

In unserer heutigen Zeit wird immer mehr erkannt, wie bedeutend die natürlichen Mikroorganismen in unserem Körper für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden sind. Besonders wichtig ist dabei die Balance der Scheidenflora, wie die Gynäkologin Dr. Fabienne Windischbauer aus Sattledt (OÖ) erläutert. „Unser Körper ist ohne Bakterien undenkbar. Gerade in der Scheidenflora gibt es eine Vielzahl von Mikroorganismen, die uns schützen,“ erklärt sie. „Diese sogenannten ‚guten‘ Bakterien, insbesondere die Lactobacillen, produzieren Milchsäure und schaffen ein saures Milieu. So wird verhindert, dass sich schädliche Mikroben ausbreiten.“

Was steckt dahinter?

Dr. Windischbauer verdeutlicht, dass die Scheidenflora ein empfindliches Gleichgewicht benötigt. „Die Lactobacillen, von denen über 260 verschiedene Arten existieren, sind die Hauptakteure im Schutz vor Infektionen. Fehlen diese jedoch, haben sogenannte ‚böse‘ Bakterien sowie auch Viren oder Pilze leichtes Spiel und können Beschwerden verursachen.“ Typische Symptome einer solchen Dysbalance sind veränderter Ausfluss, Juckreiz, Brennen und Schmerzen – sowohl beim Wasserlassen als auch beim Geschlechtsverkehr.

„Zu intensive Reinigung kann das empfindliche Gleichgewicht der Scheidenflora stören. Ich empfehle pH-neutrale Waschlösungen und klares Wasser.“

Dr. Fabienne Windischbauer

Verschiedene Ursachen für ein gestörtes Gleichgewicht

Es gibt mehrere Faktoren, die das Gleichgewicht der Scheidenflora stören können. „Oft beginnt es mit einem viralen Infekt oder einer Antibiotikabehandlung, die das Immunsystem schwächt,“ erläutert Dr. Windischbauer. „Antibiotika können schädliche Bakterien beseitigen, vernichten aber leider auch die schützenden Lactobacillen.“ Auch hormonelle Veränderungen, etwa in den Wechseljahren, beeinflussen die Scheidenflora. „Östrogen ist notwendig für die gesunde Funktion der guten Bakterien, daher können niedrige Hormonspiegel, wie sie in der Menopause auftreten, das Risiko für Infektionen erhöhen.“

Ein weiterer Risikofaktor kann Geschlechtsverkehr darstellen, da schädliche Bakterien übertragen werden können. „Vor allem sexuell aktive Frauen sind hier vermehrt betroffen,“ erklärt Dr. Fabienne Windischbauer. Zusätzlich spielt die Ernährung eine Rolle: „Eine ballaststoffarme Ernährung kann die Darmflora beeinträchtigen, was wiederum auch Einfluss auf die Scheidenflora hat, da beide Mikroben-Gemeinschaften in Verbindung stehen.“

Dr. Windischbauer
Dr. Fabienne Windischbauer mit Patienten

Symptome und Anzeichen – Wann sollte man handeln?

Ein Ungleichgewicht in der Scheidenflora kann verschiedenste Beschwerden hervorrufen. Neben dem bereits erwähnten veränderten Ausfluss, der oft auffällig riecht oder eine ungewohnte Farbe aufweist (gelblich, grünlich, schaumig), können Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Juckreiz und allgemeines Unwohlsein auftreten. „In einigen Fällen,“ so Dr. Windischbauer, „kann dies auch die Integrität der Frau in ihrem Alltag und Wohlbefinden beeinträchtigen.“

Vorbeugen statt behandeln – Was jede Frau tun kann

Dr. Fabienne Windischbauer rät, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, Stress zu reduzieren und eine angemessene Intimhygiene zu pflegen. „Weniger ist oft mehr,“ erklärt sie. Sie betont zudem die Bedeutung von probiotischen Präparaten, die helfen können, die Flora wieder aufzubauen. „Probiotika, oral oder als Zäpfchen, können die guten Bakterien in der Scheidenflora unterstützen und bei wiederkehrenden Problemen zur Vorsorge eingesetzt werden.“

Wenn Selbsttherapie nicht ausreicht

Falls Beschwerden auftreten, ist der Gang zum Facharzt unerlässlich. „Selbstdiagnosen sind selten zielführend. Es gibt verschiedene Ursachen für die Beschwerden, und nicht immer ist die Diagnose offensichtlich. Ein Facharzt kann besser einschätzen, ob eine bakterielle Infektion vorliegt und welche Therapie erforderlich ist.“ Häufig kommen lokal aufgetragene Antibiotika zum Einsatz, begleitet von Probiotika, um das Gleichgewicht zu unterstützen.

Risiken bei einer unbehandelten Störung

Dr. Windischbauer hebt hervor, dass eine unbehandelte Infektion das Risiko für schwerwiegendere Probleme erhöhen kann. „Das äußere Genitale ist eine Eintrittspforte für das innere Genitale. Eine unbehandelte Entzündung der Scheidenflora kann in manchen Fällen zu aufsteigenden Infektionen führen, die Gebärmutter, Eileiter und sogar die Eierstöcke betreffen können. Besonders in der Schwangerschaft kann eine solche Infektion vorzeitige Wehen und auch einen Blasensprung auslösen und somit Frühgeburten verursachen.“

Die Bedeutung des pH-Werts in der Scheidenflora

Ein gesunder pH-Wert der Scheidenflora liegt idealerweise bei 3,5 bis 4,5 und verhindert das Wachstum schädlicher Mikroorganismen. „Ein höherer pH-Wert kann darauf hinweisen, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Beschwerden, die mit einem gestörten pH-Wert einhergehen, sollten unbedingt ärztlich abgeklärt werden, bevor zur Selbsttherapie gegriffen wird.“

Gesund durch den Alltag – Tipps für Frauen jeden Alters

Abschließend gibt Dr. Fabienne Windischbauer allen Frauen den Rat, achtsam mit ihrer Gesundheit umzugehen und im Zweifelsfall frühzeitig ärztlichen Rat zu suchen. „Das Thema Scheidenflora ist oft mit Scham besetzt, aber es betrifft tatsächlich jede Frau mindestens einmal im Leben,“ so die Gynäkologin. „Eine gesunde Ernährung, Stressreduktion und maßvolle Intimhygiene können viel dazu beitragen, die Scheidenflora im Gleichgewicht zu halten und damit das allgemeine Wohlbefinden zu fördern.“

Dr. Fabienne Windischbauer

Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe

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