Von den kleinsten Gelenken des Körpers zu den größten: Dr. Volker Fuchs hat als Handchirurg angefangen, bei filigranen Eingriffen an Fingern und Handwurzel, bevor ihn sein Weg in die Orthopädie und schließlich zur Endoprothetik führte, zu Hüfte und Knie. Eine ziemliche Umstellung, sagt er heute, aber eine, die Spaß gemacht hat. Was ihn morgens antreibt, ist dabei nie der Dank in Form von Pralinen, Kaffee oder einer Flasche Wein gewesen. Es ist ein einziger Satz. „Danke, es geht mir wieder gut, Herr Doktor.“ Genau darum geht es dem Leitenden Oberarzt der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Rheumachirurgie am AMEOS Klinikum Halberstadt, der zugleich das Endoprothetikzentrum leitet. Und genau deshalb hat der Mediziner eine unbequeme Meinung zu dem, was in der Endoprothetik gerade als Fortschritt verkauft wird.
Warum Vertrauen genauso zählt wie Technik
Das Patientengut in der Endoprothetik ist älter, aber dankbar. Wer nach Jahren wieder schmerzfrei gehen kann, gewinnt ein Stück Leben zurück. Nicht ohne Grund gilt der Einbau eines künstlichen Hüftgelenks als eine der erfolgreichsten Operationen der gesamten Medizin. Für Fuchs ist die Frage nach der wichtigsten Eigenschaft eines guten Endoprothetikers deshalb keine Entweder-oder-Frage. Ohne Empathie kein Vertrauen, und ohne Vertrauen kann selbst der technisch perfekte Eingriff scheitern. Das handwerkliche Können wiederum ist das, was ihn im OP trägt, gerade dann, wenn er in schwierigen Situationen am Ende zufrieden aus dem Saal geht.
Was ein zertifiziertes Zentrum wirklich ausmacht
Während des Aufenthalts spürt ein Patient von der Zertifizierung zunächst am wenigsten, räumt Fuchs offen ein. Entscheidend ist, was im Hintergrund läuft. Die Wissenschaft zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen der Zahl der durchgeführten Gelenkersatz-Eingriffe und der Rate an Komplikationen wie Infektionen, Ausrenken oder Lockerung der Prothese, ebenso bei der Haltbarkeit des Implantats. Am AMEOS Klinikum Halberstadt werden im Schnitt 250 bis 300 Endoprothesen pro Jahr eingesetzt, verteilt auf wenige erfahrene Hände. Für Patienten heißt das: Sie werden mit hoher Sicherheit von einem Spezialisten mit großer Routine versorgt. Dahinter stehen strukturierte Vorbereitung, akkurate Planung, ständige Leistungskontrolle, regelmäßig geschulte Hauptoperateure mit vorgeschriebenen Mindestfallzahlen und eine stringente Nachbehandlung bis in die Reha.
Braucht es dafür wirklich einen Roboter?
Die ehrliche Antwort aus dem OP lautet: meist nicht. Die Robotik erlebt in der Endoprothetik gerade eine Renaissance, doch für Fuchs ist längst nicht ausgemacht, ob sie in der Breite finanzierbar ist und dem Patienten am Ende einen echten Vorteil bringt. Die Navigation hat sich trotz präziserer Implantatlage nicht flächendeckend durchgesetzt, weil sie den Eingriff verlängert, ohne das Langzeitergebnis spürbar zu verbessern. In seltenen, anatomisch kniffligen Fällen hilft sie sogar dem erfahrenen Behandler, weshalb solche Fälle in Zentren gehören, die diese Technik in der Hinterhand haben.
Auch minimalinvasive Zugänge haben zwei Seiten: kleinerer Schnitt und im besten Fall weniger Schaden am Weichteil, aber auch eine schlechtere Übersicht und damit ein höheres Risiko, Sehnen, Nerven oder Gefäße zu verletzen. Was ihn an der Debatte stört, ist der Erwartungsdruck, den die Industrie erzeugt, die diese Verfahren intensiv bewirbt. Für manche Patienten entsteht so ein Gefühl von Sicherheit, das sich sachlich nicht immer begründen lässt. Am Ende entscheiden die Erfahrung des Behandlers, ein an die Anatomie angepasster Zugang und die Wahl des besten Implantats.
Was ein künstliches Gelenk lange hält
Ob ein künstliches Gelenk lange hält, liegt nur selten am Patienten selbst. Wer stürzt und sich den Knochen bricht, in dem die Prothese sitzt, hat sich das nicht ausgesucht. Häufiger liegt es am natürlichen Verschleiß des Kunststoffeinsatzes zwischen den Metallteilen oder daran, dass eine Prothese über die Jahre nicht mehr ideal sitzt. Genau deshalb sollte jede Prothese regelmäßig per Röntgenbild kontrolliert werden, am AMEOS Klinikum Halberstadt gehört das zur Routine. So lassen sich Veränderungen früh erkennen.
Selten kommt eine Infektion über die Blutbahn hinzu, vor allem bei älteren Menschen mit erhöhtem Blutzucker oder geschwächtem Immunsystem. Was Patienten selbst tun können, ist erstaunlich viel: die umliegende Muskulatur trainieren, körperlich fit bleiben, extreme Belastungen des Kunstgelenks vermeiden, sich ausgewogen ernähren, den Blutzucker gut einstellen und auf Nikotin verzichten.
Wann Abwarten die klügere Wahl ist
Gerade ältere Menschen glauben oft, das nackte Alter sei der Grund, wenn ein Arzt von einer Prothese abrät. Meist stimmt das nicht. Viel schwerer wiegen erhebliches Übergewicht, starker Alkohol- und Nikotinkonsum, schlecht eingestellter Diabetes, chronische Infektionen oder ein geschwächtes Immunsystem. In solchen Fällen ist es für den Patienten oft besser, mit einer eingeschränkten Beweglichkeit zu leben und die Schmerzen mit Medikamenten in den Griff zu bekommen. Denn treten dann Komplikationen auf, sind sie meist schwer und nicht selten lebensbedrohlich. Volker Fuchs bespricht das mit seinen Patienten in aller Ruhe, auch wenn nicht jeder diese ehrliche Einschätzung sofort hören möchte. Überzogene Erwartungen zu wecken, ist für ihn keine Option.
Die Angst vor der Narkose
Diese Sorge betrifft vor allem ältere Patienten, und sie ist berechtigt. Meist ist es aber nicht die Operation selbst, sondern die Narkose in Verbindung mit möglichem Blutverlust. Längere Vollnarkosen können bei älteren Menschen ein sogenanntes Durchgangssyndrom auslösen, eine vorübergehende Verwirrtheit nach dem Eingriff, in seltenen Fällen sogar eine anhaltende Wesensveränderung. Fuchs rät seinen Patienten am AMEOS Klinikum Halberstadt, im Vorgespräch mit dem Narkosearzt eine rückenmarksnahe Betäubung zu prüfen.
Dabei bleibt man bei Bewusstsein, spürt vom Eingriff aber nichts, und wer vom Drumherum nichts mitbekommen möchte, kann Musik hören oder ein leichtes Schlafmittel erhalten, ganz ohne künstliche Beatmung. Ein weiterer Vorteil: Die Schmerzen setzen danach später und schwächer ein. Für sich selbst, sagt der Mediziner offen, würde er diese Form jederzeit vorziehen.
Klartext und Demut
Was den Endoprothetiker umtreibt, ist der wachsende Spardruck im Gesundheitssystem, der Innovationen bremsen kann, weil sich Neuentwicklungen für kleinere Hersteller kaum noch rechnen. Ändern lässt sich das vor allem auf politischer Ebene. Umso wichtiger ist ihm, woran er selbst arbeiten kann: Er bleibt demütig, analysiert jede anspruchsvolle Operation im Nachhinein und fragt sich, was sich noch besser lösen ließe.
„Man kann noch so lange operieren, man lernt nie aus.“
Dr. med. Volker Fuchs, Leitender Oberarzt der Klinik für Orthopädie
Dieses Lernen gibt er weiter. Fragt ihn ein junger Kollege, ob er in die Endoprothetik gehen soll, antwortet er, wie er ist: „Komm mit in den OP, ich zeig es dir.“ Und er sagt ehrlich dazu, dass er nach ein, zwei Jahren auch einmal abraten würde, wenn das Fach doch nicht passt. Für das Gesundheitssystem insgesamt wünscht er sich weniger Streit ums Geld und mehr Prävention, damit Übergewicht, Rauchen und übermäßiger Alkohol seltener zum Problem werden.
Wieder schmerzfrei auf die Beine
Die Endoprothetik wird sich weiterentwickeln, nicht in großen Sprüngen, aber stetig, vor allem bei den Wechseloperationen, die von Jahr zu Jahr häufiger werden. Am AMEOS Klinikum Halberstadt will Fuchs weiter das tun, was er für die schönste Rolle seines Fachs hält: Menschen wieder schmerzfrei auf die Beine bringen, bis am Ende genau der eine Satz steht, der ihn jeden Morgen antreibt. Wer über ein neues Hüft- oder Kniegelenk nachdenkt, unsicher ist oder eine ältere Prothese kontrollieren lassen möchte, sollte diesen Schritt nicht aufschieben. Das Endoprothetikzentrum am AMEOS Klinikum Halberstadt bietet eine individuelle Beratung, in der ehrlich besprochen wird, ob und wann ein künstliches Gelenk der richtige Weg ist.

