D ie minimalinvasive Endoprothetik stellt eine der bedeutendsten Entwicklungen der letzten 25 Jahre in der Orthopädie dar. Univ. Prof. Mag. Dr. Michael Nogler, führender Experte auf diesem Gebiet, hat maßgeblich an der Weiterentwicklung dieser Technik mitgewirkt. In der Uniklinik Innsbruck wurde eine Methode etabliert, die den Einbau von Prothesen unter maximaler Schonung des umgebenden Gewebes ermöglicht.
Früher waren große Hautschnitte und das Durchtrennen von Muskeln notwendig, um Gelenksprothesen korrekt zu platzieren. Seit der Jahrtausendwende hat sich jedoch ein Paradigmenwechsel vollzogen: Ziel ist es, das Muskel- und Gewebetrauma so gering wie möglich zu halten, ohne dabei die Stabilität und Funktion der Prothese zu beeinträchtigen. „In Europa wurde dieses Verfahren in den Jahren 2001 und 2002 erstmals intensiv diskutiert. Wir haben uns damals entschieden, diese Technik mitzuentwickeln und weiter zu verbessern“, erklärt Prof. Nogler.
Minimalinvasiv bedeutet maximaler Nutzen für den Patienten
Minimalinvasive Endoprothetik bedeutet, dass keine Muskeln durchtrennt werden. Stattdessen nutzt man natürliche anatomische Räume zwischen den Muskeln, um die Prothese zu implantieren. Der größte Vorteil dieses Verfahrens liegt in der erhöhten Gelenksstabilität, der schnellen Rehabilitation und der deutlichen Reduktion postoperativer Schmerzen.
Während bei traditionellen Methoden die Hautschnitte noch rund 30 cm lang waren, liegt die Schnittgröße heute bei erfahrenen Chirurgen zwischen sieben und elf Zentimetern.
„Ein 30 cm langer Hautschnitt für eine Hüftprothese ist heute nahezu ein Kunstfehler.“
Univ. Prof. Mag. Dr. Michael Nogler
Hüftprothesen
Die minimalinvasive Technik wird hauptsächlich bei Hüftprothesen eingesetzt, da das Hüftgelenk tief im Körper liegt und von einer starken Muskulatur umgeben ist. Auch beim Knie- und Schultergelenk gibt es muskelschonende Verfahren, doch bei der Hüfte ist der Vorteil der minimalinvasiven Methode am größten.

Schnelle Erholung und hohe Stabilität
Zu den herausragenden Vorteilen der minimalinvasiven Hüft-Endoprothetik gehören:
- Deutlich geringere postoperative Schmerzen
- Schnellere Mobilisierung der Patienten
- Geringere Luxationsgefahr der Hüfte (kein Herausspringen des Gelenks)
„Ein Patient kann bereits am Tag nach der Operation – manchmal sogar noch am OP-Tag – mit physiotherapeutischer Unterstützung aufstehen und das Bein voll belasten“, so Prof. Michael Nogler. In der Regel werden Patienten nach drei bis fünf Tagen aus dem Krankenhaus entlassen. Eine weiterführende Physiotherapie ist empfehlenswert, eine stationäre Reha nach sechs bis acht Wochen kann sinnvoll sein, aber ist nicht zwingend erforderlich.
Für wen eignet sich die minimalinvasive Methode?
Diese Technik ist für nahezu alle Patienten geeignet. Entscheidend ist eine sorgfältige medizinische Beurteilung vor dem Eingriff, um den Gesundheitszustand des Patienten optimal zu berücksichtigen. Faktoren wie bestehende Infektionen oder starkes Übergewicht können Einfluss auf die individuelle Vorgehensweise haben. Grundsätzlich kann jedoch fast jeder Patient, der eine Hüftprothese benötigt, von diesem Verfahren profitieren“, betont Dr. Nogler.
Schnellere OPs durch bessere Instrumente
Die Operationen dauern heute kürzer als früher. Dank speziell entwickelter Instrumente mit gebogenen und abgewinkelten Formen kann der Chirurg „ums Eck“ arbeiten, ohne das Gewebe unnötig zu belasten. „Eine minimalinvasive Hüftoperation dauert heute deutlich unter einer Stunde“, sagt der Facharzt.
Blick in die Zukunft
Die moderne Endoprothetik entwickelt sich stetig weiter, um Patienten eine noch schonendere und effizientere Behandlung zu ermöglichen. Neue Materialien und optimierte Prothesen-Oberflächen tragen dazu bei, die Verträglichkeit und Haltbarkeit weiter zu verbessern.
Langfristig könnte die Zukunft in der Regeneration von Gelenken durch körpereigene Zellen liegen. „Noch ist das nicht in Sicht, aber für die nächsten 50 Jahre könnte Geweberegeneration eine Lösung sein“, prognostiziert der Experte. Aktuell rückt der Einsatz von Robotik und Augmented Reality in den Fokus. „In Amerika gibt es bereits tagesklinische Prothesen-Operationen. Auch in Europa könnte sich dieser Trend weiterentwickeln und neue Möglichkeiten in der Patientenversorgung eröffnen.“
Fazit
Die minimalinvasive Endoprothetik hat sich als etablierte und sichere Methode bewährt, um Patienten mit Gelenksverschleiß eine schmerzfreie und funktionelle Mobilität zurückzugeben. Dank der Fortschritte in der Medizin sind die Prothesen heute langlebiger als je zuvor. „Es gibt keinen Grund mehr, jahrelang mit Schmerzen und eingeschränkter Mobilität zu leben”, sagt Univ. Prof. Mag. Dr. Michael Nogler abschließend.

