Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette und gestörter Zuckerstoffwechsel – was auf den ersten Blick wie eine Sammlung weit verbreiteter Wohlstandserkrankungen klingt, ist in Kombination ein gefährliches Geflecht: das metabolische Syndrom. Internist Dr. Roman Einspieler aus Klagenfurt spricht im Interview über die stillen Gefahren und die wirksamsten Maßnahmen zur Vorbeugung.
Was ist das metabolische Syndrom?
„Wir sprechen vom metabolischen Syndrom, wenn mindestens drei von fünf Risikofaktoren gleichzeitig auftreten“, erklärt Dr. Einspieler. Dazu gehören:
- ein erhöhter Taillenumfang (ab 94 cm bei Männern, ab 80 cm bei Frauen)
- Bluthochdruck (≥130/85 mmHg)
- erhöhte Triglyzeride (≥150 mg/dl)
- ein niedriges HDL-Cholesterin (<40 mg/dl bei Männern, <50 mg/dl bei Frauen)
Dieses „tödliche Quartett“ erhöht das Risiko für lebensbedrohliche Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes oder Nierenschäden drastisch.
„Bereits kleine Veränderungen machen einen großen Unterschied. Wer gesund lebt, lebt länger – und besser.“
Dr. Roman Einspieler
Wie entsteht das Syndrom?
„Die Ursachen sind komplex, aber klar benennbar“, so der Internist. Bewegungsmangel, kalorienreiche Ernährung, Schlafmangel und chronischer Stress zählen zu den Hauptfaktoren. Besonders gefährlich ist das sogenannte viszerale Fett, das sich im Bauchraum ansammelt und entzündungsfördernde Botenstoffe freisetzt. Auch genetische Veranlagungen spielen eine Rolle – wer eine familiäre Vorbelastung hat, sollte besonders wachsam sein.

Oft unbemerkt
„Viele Patienten spüren anfangs nichts“, warnt Dr. Roman Einspieler. „Der Blutzucker ist leicht erhöht, der Blutdruck etwas zu hoch – doch ohne Beschwerden wird das häufig ignoriert.“ Erst mit der Zeit treten Symptome wie Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen oder vermehrter Durst auf. Spätestens dann sollte eine umfassende Untersuchung erfolgen.
Diagnose und Behandlung: Je früher, desto besser
Die Diagnose basiert auf Blutuntersuchungen, Blutdruckmessung und der Messung des Taillenumfangs. „Eine frühzeitige Erkennung ist entscheidend, denn die Risikofaktoren lassen sich in vielen Fällen durch eine konsequente Umstellung des Lebensstils deutlich verbessern oder sogar vollständig zurückbilden“, betont der Facharzt.
Therapie: Lebensstil statt Pillencocktail
Die Basis jeder Behandlung ist eine Umstellung der Gewohnheiten:
- Gesunde, ballaststoffreiche Ernährung
- Tägliche Bewegung (mindestens 30 Minuten)
- Stressreduktion und ausreichend Schlaf
- Rauchverzicht und Gewichtsabnahme
„Wenn das allein nicht reicht oder die Werte bereits deutlich erhöht sind, kommen Medikamente zum Einsatz – zum Beispiel zur Senkung von Blutdruck, Blutzucker oder Blutfett“, sagt Dr. Roman Einspieler.
Motivation durch Aufklärung und kleine Schritte
Viele Patient:innen schrecken vor drastischen Veränderungen zurück. „Deshalb ist es wichtig, mit kleinen, realistischen Zielen zu starten und regelmäßig Erfolge zu messen“, so der Experte. Ein besseres Wohlbefinden, mehr Energie im Alltag und das Wissen um die eigene Gesundheitsvorsorge sind starke Motivatoren.
Fazit
Wer früh auf seinen Lebensstil achtet, kann das metabolische Syndrom vermeiden – und damit nicht nur seine Lebensqualität verbessern, sondern auch das Risiko schwerwiegender Folgeerkrankungen deutlich senken.
Wichtig: Bei Verdacht auf das metabolische Syndrom – etwa bei anhaltender Gewichtszunahme, Bluthochdruck oder erhöhten Blutzuckerwerten – oder bei erkennbaren gesundheitlichen Problemen sollte man nicht zögern, sich frühzeitig an einen Facharzt für Innere Medizin zu wenden. Eine rechtzeitige medizinische Abklärung kann helfen, gesundheitlichen Risiken frühzeitig zu begegnen und geeignete Maßnahmen einzuleiten.

