Knieprothese für mehr Lebensqualität – mit Prof. Dr. Dr. med. Patrick Sadoghi

Maßgeschneiderte Lösungen für mehr Beweglichkeit

6 Minuten Lesezeit
Prof. Dr. Dr. med. Patrick Sadoghi aus Graz - Facharzt für Orthopädie, orthopädische Chirurgie und Traumatologie

Prof. Dr. Dr. med. Patrick Sadoghi, international führender Kniespezialist und Facharzt für Orthopädie, orthopädische Chirurgie und Traumatologie am LKH Graz sowie an der Privatklinik Ragnitz, erklärt die neuesten Entwicklungen in der individuellen Endoprothetik. Moderne Verfahren ermöglichen eine maßgeschneiderte Anpassung der Knieprothese an die anatomischen Gegebenheiten jedes einzelnen Patienten.

Früher wurde das Kniegelenk standardisiert implantiert, sodass das Bein in einer geraden Achse ausgerichtet war. Der Professor betont, dass mittlerweile bekannt ist, dass jeder Mensch eine individuelle Beinachse besitzt. Frauen neigen eher zu einer valgischen Achse (X-Beine), während Männer häufiger eine varische Achse (O-Beine) aufweisen. Die patientenorientierte Knieprothese passt sich der natürlichen Beinstellung an und kann diese so wiederherstellen, wie sie in jüngeren Jahren gewesen ist.

Vorteile

Die Vorteile einer angepassten Endoprothese gegenüber herkömmlichen Modellen sind erheblich. Laut Dr. Sadoghi profitieren Patienten von einer schnelleren Erholung, einer verkürzten Rehabilitationszeit und weniger postoperativen Schmerzen. Langfristig verbessert sich die Beweglichkeit, die Lebensqualität steigt und die Funktion des künstlichen Gelenks ist optimiert. Eine angepasste Knieprothese ist besonders dann sinnvoll, wenn der Knochen aufgrund bestimmter Veränderungen oder Schäden nicht für eine herkömmliche Prothese geeignet ist.

Durch eine persönliche Beratung und moderne Techniken lassen sich viele Beschwerden langfristig lösen – für mehr Beweglichkeit, weniger Schmerzen und eine bessere Gesundheit”

Prof. Dr. Dr. med. Patrick Sadoghi

Technologie und Innovation

Seit der Jahrtausendwende liegt der Fokus in der Forschung auf der individuellen Anpassung von Prothesen. Moderne Technologien wie 3D-Druck, Robotik und computergestützte Navigation haben hierbei enorme Fortschritte gebracht. Prof. Patrick Sadoghi hat bereits zahlreiche dieser innovativen Methoden in der Praxis angewendet.

Ein weiteres zukunftsweisendes Feld ist der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Prothetik. Laut Dr. Sadoghi wird KI zukünftig eine noch präzisere Analyse des individuellen Kniegelenk-Phänotyps ermöglichen. Bisher weiß man gut, wie das Knie von vorne ausgerichtet sein sollte. Jetzt erforschen Experten, wie es sich von der Seite und in der Drehbewegung optimal anpassen lässt. Hier gehört seine Forschungsgruppe zu den Vorreitern.

Es gibt bereits maßgeschneiderte Knieprothesen mit Sensoren, die während der Operation die Spannung der Bänder im Knie messen und diese Daten in Echtzeit als 3D-Bild anzeigen. Diese innovative Methode wurde bereits in einem ORF-Beitrag vorgestellt, in dem Prof. Dr. Dr. med. Patrick Sadoghi die Vorteile dieser Technik präsentierte.

Robotik in der Chirurgie

Die Robotik spielt ebenfalls eine Rolle in der modernen Endoprothetik. Prof. Patrick Sadoghi erklärt, dass bei erfahrenen Operateuren keine signifikanten Vorteile hinsichtlich der Genauigkeit bestehen, jedoch jungen Ärzten in der Technik geholfen werden kann, eine präzisere Implantation durchzuführen. Die Technologie entwickelt sich stetig weiter, und es ist zu erwarten, dass sie künftig noch effizienter wird.

Von der Diagnose bis zur Rehabilitation

Der Prozess hin zu einer passgenauen Knieprothese ist strukturiert:

Wichtiger Zwischenschritt – Die Arthroskopie

Operative Eingriffe wie eine Prothese kommen in der Regel erst dann zum Einsatz, wenn andere Maßnahmen nicht mehr helfen. Prof. Sadoghi stellt klar, dass in vielen Fällen zunächst gelenkerhaltende Maßnahmen möglich sind – zum Beispiel durch eine Arthroskopie. Dieses minimalinvasive Verfahren kommt etwa bei freien Gelenkkörpern, Meniskusverletzungen oder Knorpelschäden zum Einsatz. Dabei werden instabile Knorpelreste entfernt und Begleitverletzungen gezielt behandelt. So lassen sich Schmerzen oft spürbar lindern und das Fortschreiten einer Arthrose verlangsamen – vor allem bei jüngeren oder aktiven Patienten ein großer Vorteil.

Zukunftsperspektiven

Laut Prof. Dr. Dr. med. Patrick Sadoghi sind individuell angepasste Prothesen durch moderne Fertigungsmethoden bereits flächendeckend verfügbar. Zudem zeigt die Langzeiterfahrung, dass patientenorientierte Prothesen keine erhöhte Komplikationsrate aufweisen und durch die bessere biomechanische Anpassung eine längere Haltbarkeit möglich sein könnte. Erste Studien mit Zehnjahresdaten unterstützen diese Annahme.

Dr. Sadoghi ist davon überzeugt, dass sich die individuelle Endoprothetik langfristig als Standard durchsetzen wird. Durch zunehmende Automatisierung und verbesserte Kosteneffizienz wird sie künftig immer mehr Patienten zugänglich sein.

Persönliche Motivation und Fazit

Prof. Sadoghi berichtet, dass sein Interesse an der individuellen Knieprothetik durch die Beobachtung geweckt wurde, dass ein kleiner Teil der Patienten mit Standardprothesen trotz medizinisch erfolgreicher Operation nicht vollständig zufrieden war. Durch die bedarfsgerechte Anpassung der Prothesen konnte die Zufriedenheit der Patienten auf Werte von über 90 % gesteigert werden. Sein Ziel ist es, die orthopädische Versorgung weiter zu optimieren und jedem Patienten die bestmögliche Lebensqualität zu ermöglichen.

Die individuelle Knieprothetik ist ein bahnbrechender Fortschritt in der orthopädischen Chirurgie – und Prof. Dr. Dr. med. Patrick Sadoghi gehört zu den Pionieren auf diesem Gebiet, da er maßgeblich an ihrer Entwicklung beteiligt war. Wenn das Knie zunehmend Probleme bereitet und andere Behandlungen nicht mehr helfen, sollte man den Schritt zur Prothese nicht scheuen, sondern sich frühzeitig mit einem Spezialisten austauschen.

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