Die Hand spielt eine zentrale Rolle in unserem Alltag – sei es beim Arbeiten, Musizieren, Sport oder beim Halten und Greifen von einfachen Dingen. Doch Verletzungen und Erkrankungen der Hand sind häufig und können das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen. Dr. Josef Jurkowitsch, Handchirurg in Wien, ist Experte auf diesem Gebiet und erläutert die typischen Handverletzungen sowie moderne Behandlungsmöglichkeiten.
Komplexe Anatomie
Die Hand ist ein hochkomplexes Zusammenspiel aus Sehnen, Bändern, Knochen, Gelenken, Nerven und Gefäßen. Bereits die Verletzung einer einzigen Struktur kann das fragile Gleichgewicht stören und zu Bewegungseinschränkungen, Schmerzen oder Sensibilitätsstörungen führen. Ziel der Handchirurgie ist es, dieses Gleichgewicht wiederherzustellen und die Funktion der Hand optimal zu erhalten.
„Viele Verletzungen und Erkrankungen der Hand können nur von einem Experten richtig diagnostiziert und behandelt werden.“
Dr. Josef Jurkowitsch
Brüche
Fingerbrüche zählen zu den häufigsten Verletzungen der Hand. In etwa 80 % der Fälle reicht eine konservative Behandlung ohne Operation aus. Dr. Josef Jurkowitsch erklärt, dass komplexere Brüche, wie beispielsweise des Kahnbeins – dem am stärksten betroffenen Handwurzelknochen – hingegen meist eine operative Stabilisierung erfordern, um eine vollständige Heilung sicherzustellen. Ähnlich verhält es sich mit dem Bruch der körperfremden Speiche, der typischerweise durch einen Sturz auf die Hand entsteht. Je nach Frakturform, Anzahl der Fragmente und Verschiebung des Bruches wird entschieden, ob eine konservative Therapie mit Gips oder eine operative Versorgung notwendig ist.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Diagnostik von Kahnbeinbrüchen. Diese können im Röntgenbild übersehen werden, da die Bruchstelle zunächst nur als feine Linie sichtbar ist. Eine präzise klinische Untersuchung und gegebenenfalls eine zusätzliche Computertomographie sind essenziell, um eine korrekte Diagnose zu stellen.

Fortschritte in der Frakturbehandlung
Die modernen Therapiemöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Spezielle winkelstabile Plattensysteme ermöglichen eine individuell angepasste Stabilisierung von Brüchen. Frakturspezifische Plattenformen helfen, selbst komplexe Brüche optimal zu versorgen und eine frühzeitige Mobilisation der Hand zu ermöglichen.
Dr. Josef Jurkowitsch betont, dass Brüche, bei denen die Gelenkfläche nicht betroffen ist, oft konservativ im Gips behandelt werden können. In bestimmten Fällen muss jedoch vor dem Anlegen des Gipses die Stellung des Bruches durch eine Reposition verbessert werden. Bei stark verschobenen oder instabilen Brüchen ist meist eine Operation erforderlich, um spätere Bewegungseinschränkungen und Schmerzen zu vermeiden.
Die Rhizarthrose
Ein weiteres Problem, das mit zunehmendem Alter auftritt, ist die Rhizarthrose – eine Abnützung des Daumensattelgelenks. Dr. Josef Jurkowitsch weist darauf hin, dass sie oft durch eine angeborene Gelenkinstabilität entsteht, die zu verstärktem Knorpelabrieb führt. In frühen Stadien helfen stabilisierende Übungen, Schienen oder eine gezielte Infiltration mit Cortison, um die Beschwerden zu lindern. Wenn konservative Maßnahmen nicht mehr ausreichen, stehen operative Verfahren wie der Gelenkersatz durch eine Prothese oder die Resektionsarthroplastik zur Verfügung. Letztere Methode beinhaltet die Entfernung des Trapezknochens und die Stabilisierung des Mittelhandknochens mit körpereigenem Sehnenmaterial.
Karpaltunnelsyndrom – wenn die Hand nachts schmerzt
Das Karpaltunnelsyndrom ist eine der häufigsten Erkrankungen der Hand. Es äußert sich durch Gefühlsstörungen in Daumen, Zeige- und Mittelfinger, Kraftverlust und nächtliche Schmerzen. Während in frühen Stadien Schienen und Infiltrationen helfen können, ist in den meisten Fällen eine operative Entlastung des eingeengten Medianusnervs durch eine Spaltung des Karpalkanaldachs notwendig.
Die Rolle der Nachsorge – erklärt von Dr. Jurkowitsch
Die Behandlung endet nicht mit der Operation – die Nachsorge spielt eine entscheidende Rolle für den Erfolg. Dr. Jurkowitsch unterstreicht, dass besonders nach Sehnenverletzungen eine spezialisierte Handtherapie essenziell ist, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Ohne gezieltes postoperatives Training kann es zu dauerhaften Bewegungseinschränkungen kommen. Nur durch die enge Zusammenarbeit zwischen Facharzt und Therapeut lassen sich bestmögliche Ergebnisse erreichen.
Wann sollte man einen Spezialisten aufsuchen?
Nicht jede Verletzung der Hand ist sofort offensichtlich. Eine anhaltende Schwellung, Schmerzen oder eine Bewegungseinschränkung nach einem Sturz sollten so schnell wie möglich ärztlich abgeklärt werden. Auch langsam fortschreitende Beschwerden, wie sie bei Arthrose auftreten, sollten nicht ignoriert werden. Die frühzeitige Diagnose und Therapie kann verhindern, dass chronische Beschwerden entstehen.
„Es lohnt sich in allen Bereichen des Lebens, einen Spezialisten aufzusuchen, wenn man ein Problem hat. Dies gilt besonders für unseren Körper“, sagt Dr. Josef Jurkowitsch. Dank der modernen Methoden stehen heute zahlreiche konservative und operative Möglichkeiten zur Verfügung, um Beschwerden effektiv zu lindern und die Funktion der Hand langfristig zu erhalten.

