Es gibt diesen Moment, in dem man versteht, dass das Leben so nicht weitergehen kann. Man hat Tabletten genommen, Therapien gemacht, Ratschläge befolgt. Man funktioniert irgendwie. Aber innerlich ist da eine Leere, die nicht verschwinden will. Viele Menschen leben jahrelang mit diesem Gefühl. Sie stehen morgens auf, gehen zur Arbeit, lächeln, wenn es erwartet wird. Und fragen sich gleichzeitig, ob das wirklich alles gewesen sein soll. Dr. Erik Kakrik kennt diese Patienten. In seiner Wiener Ordination hört er ihre Geschichten jeden Tag. Und er arbeitet an einem Ansatz, der über das bloße Lindern von Symptomen hinausgeht.
Wenn nichts mehr passt
Die meisten Patientinnen und Patienten, die zum Psychiater kommen, haben eine lange Odyssee hinter sich. Viele haben mehrere Antidepressiva probiert. Manche haben stationäre Aufenthalte erlebt. Einige sind seit Jahren in Gesprächstherapie. Und trotzdem fällt immer wieder derselbe Satz: Es fühlt sich nichts mehr richtig an. Etwa jeder fünfte Betroffene mit einer Depression spricht auf klassische Medikamente nicht ausreichend an.
Das sind keine Einzelfälle, sondern unzählige Leben, die in einer Sackgasse feststecken, weil die bisherigen Behandlungen nicht ausgereicht haben. Studien zeigen: Rund 70 Prozent dieser Betroffenen erleben mit einer ergänzenden Therapie eine deutliche Besserung. Für Dr. Kakrik ist klar, dass man es nicht hinnehmen kann, dass jemand lebenslang leidet, nur weil bisher nichts gepasst hat.
Die Nacht, die alles veränderte
Dass der Facharzt heute so konsequent anders behandelt, hat mit einem Ort zu tun, den man in einer Wiener Ordination nicht vermutet. Dem Ozora-Festival in Ungarn. Ozora ist das weltweit zweitgrößte Festival dieser Art und zieht zehntausende Besucher an. Für den jungen Psychiater war es jahrelang Arbeitsplatz. Als Schichtleiter betreute er mit einem Team von acht Helfern bis zu sechzig Personen gleichzeitig, die sich in schweren seelischen Ausnahmesituationen nach dem Konsum psychoaktiver Substanzen befanden. Angst, Panik, Hoffnungslosigkeit, tiefe innere Krisen.
Was er dort sah, stand in keinem Lehrbuch. Auf einer normalen psychiatrischen Akutstation wird zwar auch im akuten Zustand gearbeitet, doch bei Substanzkonsum wartet man meist ab, bis die Wirkung abgeklungen ist, bevor die eigentliche therapeutische Arbeit beginnen kann. Auf Ozora war es umgekehrt. Mitten in der Krise fanden Gespräche statt. Betroffene wurden begleitet, während sie an ihre seelischen Grenzen kamen. Und genau dort entstanden Veränderungen, die in klassischen Behandlungen Monate gebraucht hätten. Aus diesen Nächten nahm Dr. Kakrik einen Satz mit, der bis heute seine Haltung als Psychiater prägt.
Manchmal muss man tiefer in die Hoffnungslosigkeit hineingehen, um wieder herauszufinden.
Dr. med. Erik Kakrik, Facharzt für Psychiatrie
Die Erfahrungen aus Ozora ließen den jungen Arzt nicht wieder los. Sie wurden zur Grundlage einer Diplomarbeit, in der Dr. Kakrik über hundert Festival-Patientinnen und -Patienten mit Fällen aus der psychiatrischen Akutversorgung verglich. Bereits ab 2013 arbeitete er in Ungarn an einem Frühwarnsystem für neue psychoaktive Substanzen mit. Dann folgten Forschungsreisen nach Peru und Brasilien, wo er traditionelle Heilverfahren studierte. Anschließend begann er seine Facharztausbildung in Deutschland. Heute ist der Wiener Facharzt Moderator der Mental Health Section der MIND Foundation, einer der führenden europäischen Forschungsinstitutionen im Bereich psychedelisch-gestützter Psychotherapie.
Tiefer als jede Tablette
Dr. Kakrik erklärt seinen Ansatz so, wie er ihn auch der eigenen Familie erklären würde. Eine Tablette kann Symptome dämpfen. Sie kann die Wellen glätten, aber sie erreicht nicht das, was unter der Oberfläche liegt. Wer seit Jahren erschöpft ist, ängstlich, innerlich unruhig, trägt oft einen Ursprung in sich, der tiefer sitzt. In Erfahrungen, die nie verarbeitet wurden. In Mustern, die sich über Jahrzehnte eingebrannt haben. Genau dort setzt die augmentierte Psychotherapie an. Sie will nicht die Symptome übertünchen, sondern den Ort finden, aus dem sie kommen.
Wenn etwas innerlich aufgeht
In der Ordination dauert eine Sitzung zwei Stunden. Zu Beginn steht ein Gespräch. Was bewegt den Patienten heute? Was soll sich verändern? Danach liegen die Betroffenen in einer ruhigen, bequemen Umgebung. Musik läuft, eine Augenbinde schirmt die Welt ab. Ein Medikament, das seit Jahrzehnten als Narkosemittel zugelassen ist und in den letzten Jahren auch als schnell wirksames Antidepressivum neu entdeckt wurde, wird langsam verabreicht. Die ganze Zeit ist jemand da. Blutdruck, Sauerstoff, Orientierung, alles wird überwacht. Niemand bleibt allein.
Was in dieser Stunde geschieht, beschreiben viele Patienten mit dem Wort Erlösung. Es ist, als würde eine Tür aufgehen, die sich vorher nicht öffnen ließ. Dr. Kakrik beschreibt es als einen Traum ähnlichen Zustand, in dem die Grenze zwischen bewusst und unterbewusst dünner wird. Man beobachtet, was aus einem selbst kommt, und lernt daraus. Nichts Fremdes dringe ein, betont der Facharzt. Alles, was in dieser Zeit erlebt wird, sei schon im Inneren gewesen. Nur jetzt darf es endlich gesehen werden.
Die übersehene Diagnose
Nicht jeder, der zu Dr. Erik Kakrik kommt, leidet unter Depression. Ein zweiter großer Schwerpunkt sind Erwachsene, die ihr Leben lang das Gefühl hatten, irgendwie anders zu funktionieren. Menschen, die morgens mit tausend Gedanken aufwachen und nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Die Aufgaben aufschieben, obwohl sie dringend erledigt werden müssten. Die in Besprechungen nicken und nachher nicht wissen, was besprochen wurde. Viele halten sich für unorganisiert, undiszipliniert, faul und verurteilen sich oft jahrzehntelang selbst dafür.
Dabei ist die Erklärung oft eine andere. ADHS wird bei Erwachsenen immer noch systematisch übersehen. Bei Frauen werden die Symptome häufig als Depression, Angststörung oder Borderline fehlgedeutet. Bei älteren Patienten als beginnende Demenz. Und bei hochbegabten oder akademisch erfolgreichen Betroffenen fällt es gar nicht auf, weil das innere Chaos nach außen hin kompensiert werden kann, auch wenn es innerlich aufreibt. Wer nach langer Suche endlich die richtige Diagnose bekommt, erlebt etwas Grundlegendes.
„Es ist eine Erleichterung. Eine Erklärung für das ganze Leiden. Ein Name für das, was man sein Leben lang gespürt hat.“

Signale ernst nehmen
Viele fragen sich, ob der eigene Zustand wirklich behandlungsbedürftig ist. Ob man nicht einfach empfindlich ist, erschöpft, überfordert. Dr. Kakrik kennt diese Unsicherheit aus seiner täglichen Arbeit und nennt einige Signale, die man ernst nehmen sollte: anhaltende Antriebslosigkeit, das Gefühl nichts mehr zu spüren, innere Unruhe, Schlafprobleme oder körperliche Beschwerden wie Herzrasen und Atemnot, für die es trotz ärztlicher Abklärung keine Erklärung gibt. Auch ein Kopf, der sich einfach nicht beruhigen lässt, gehört dazu.
Wer solche Zustände über Wochen kennt, sollte nicht warten, bis die Kräfte ganz aufgebraucht sind. Ein Gespräch lohnt sich früher als man denkt.
Was jeder selbst tun kann
Dr. Kakrik betont, dass nicht immer sofort medizinische Hilfe gebraucht wird. Bei leichten Verstimmungen, innerer Unruhe oder Phasen von Erschöpfung lässt sich schon viel bewirken, bevor eine Ordination ins Spiel kommt. Tägliche Meditation, auch nur zehn Minuten. Atemübungen, die das Nervensystem beruhigen. Apps wie 7Mind oder Headspace, die einen guten Einstieg bieten. Auch holotrope Atem-Retreats, bei denen intensive Zustände allein durch Atmung entstehen, sind in Österreich zugänglich und brauchen keine Diagnose. Atmen sei nicht verboten, sagt der Psychiater. Und eine Diagnose brauche es dafür auch nicht.
Wer merkt, dass diese Werkzeuge nicht mehr reichen, sollte den nächsten Schritt gehen. Und den sollte man gut vorbereiten. Der Facharzt bittet die Patientinnen und Patienten, mit einer klaren Frage in die erste Sitzung zu kommen. Nicht mit einem perfekten Plan, aber mit einem Gefühl dafür, was sich verändern soll.
Was diese Ordination einzigartig macht
In Wien gibt es viele gute Psychiaterinnen und Psychiater. Was die Arbeit von Dr. Kakrik besonders macht, ist eine seltene Kombination. Die spezialisierte Ausbildung in augmentierter Psychotherapie, die in Österreich kaum ein anderer in dieser Tiefe mitbringt. Die Erfahrung aus zehntausenden Stunden Krisenbegleitung auf Festivals, Akutstationen und in der eigenen Ordination. Die internationale Vernetzung über die MIND Foundation und die Forschung in Südamerika.
Und doch sagt der Wiener Facharzt selbst, dass all das nicht das Entscheidende sei. Entscheidend bleibe, wie man einem Gegenüber begegnet. Letztendlich entscheiden die Patientinnen und Patienten selbst. Seine Aufgabe sei es, gemeinsam mit ihnen die Richtung zu finden, die zu ihnen passt.
Fazit
Für alle, die das Gefühl haben, nur noch zu funktionieren, und für jene, die ihr Leben lang gespürt haben, dass etwas nicht passt, kann die Ordination von Dr. Erik Kakrik in Wien ein neuer Anfang sein. Nicht, weil dort Wunder geschehen, sondern weil hier jemand arbeitet, der versteht, dass hinter jedem Symptom eine Geschichte steht. Einer, der Antworten sucht. Und einer, der seinen Patientinnen und Patienten dabei hilft, sie zu finden.

