Die medizinische Versorgung älterer Patientinnen und Patienten steht vor wachsenden Herausforderungen: Multimorbidität, neurologische Erkrankungen und funktionelle Einschränkungen erfordern zunehmend komplexe Behandlungsansätze. Am AMEOS Klinikum Haldensleben begegnen die Fachbereiche Geriatrie und Neurologie dieser Entwicklung mit einer engen, strukturierten Zusammenarbeit. Damit setzen sie neue Maßstäbe für eine ganzheitliche Patientenversorgung im Landkreis Börde.
Für Dr. med. Jolande Jesse, Chefärztin für Akutgeriatrie und Frührehabilitation, ist dieser Ansatz zentral: „Mich fasziniert an der Geriatrie der holistische Blick auf den Menschen. Wir schauen nicht nur auf Diagnosen, sondern auf Funktionalität, Selbstständigkeit und Lebensqualität, insbesondere bei mehreren Erkrankungen gleichzeitig.“
Präzise Diagnostik trifft ganzheitliche Therapie
Diese Perspektive ergänzt sich ideal mit der Arbeitsweise der Neurologie. Während die Neurologie die akute Diagnostik und Therapie übernimmt, setzt die Geriatrie dort an, wo es für die Patientinnen und Patienten entscheidend wird: im Alltag. „Wir betrachten, wie sich Erkrankungen auf Funktionalität, Mobilität und Selbstständigkeit auswirken und wie wir diese gezielt verbessern können“, so Jesse.
Vom Notfall bis zur Rehabilitation: Versorgung aus einer Hand
Ein besonderer Vorteil zeigt sich in der durchgängigen Betreuung der Patientinnen und Patienten. Von der Notaufnahme über die Akutbehandlung bis in die Rehabilitation sind sie durchweg fachkundig versorgt und betreut.
„Wir begleiten viele Patientinnen und Patienten über den gesamten Verlauf hinweg und sehen so direkt die Fortschritte“, erklärt Meyer. „Das ist fachlich wie menschlich sehr bereichernd.“ Auch Jesse betont den Nutzen: „Der größte Erfolg ist für uns, wenn ein Patient wieder selbstständig aufstehen und in sein vertrautes Umfeld zurückkehren kann.“
Die Neurologie ist ein Fach, in dem man wie ein Detektiv arbeitet. Man stellt präzise Diagnosen und kann früh wichtige Weichen stellen, wie zum Beispiel in der Schlaganfallversorgung.
Anneli Meyer, Leitende Oberärztin
Die enge Abstimmung sorgt zudem für mehr Sicherheit im Behandlungsverlauf: „Komplikationen werden schneller erkannt, Therapien können frühzeitig angepasst werden“, so Meyer.
Komplexe Krankheitsbilder erfordern individuelle Medizin
Die zunehmende Komplexität geriatrischer und neurologischer Krankheitsbilder stellt beide Fachbereiche vor Herausforderungen. Standardisierte Leitlinien stoßen dabei häufig an Grenzen.
„Für hochbetagte Patientinnen und Patienten müssen wir stärker individuell entscheiden“, erklärt Jesse. „Hier zählen Erfahrung, interdisziplinäre Abstimmung und die realistische Einschätzung von Zielen.“ Meyer ergänzt: „Multimorbidität, Medikamente und neurologische Erkrankungen wie Demenz oder Parkinson machen die Versorgung komplexer. Genau deshalb ist die enge Zusammenarbeit so wichtig.“

Struktur und Kommunikation wichtig für Zusammenarbeit
Am AMEOS Klinikum Haldensleben wird die Kooperation aktiv weiterentwickelt. Neben Konsilen und Fallbesprechungen entstehen zunehmend strukturierte Behandlungspfade.
„Wir entwickeln gemeinsame Behandlungsfahrpläne, zum Beispiel für Schlaganfallpatienten oder Menschen mit Bewegungsstörungen“, so Jesse. „Das schafft Klarheit und Qualität in der Versorgung.“ Meyer ergänzt: „Kurze Wege, direkte Kommunikation und regelmäßige Abstimmungen machen unsere Arbeit effizienter und sicherer für die Patienten.“
Auch andere Fachrichtungen wie Psychiatrie und Chirurgie werden zunehmend eingebunden und bieten weitere Anknüpfungspunkte, um eine umfassende Versorgung sicherzustellen.
Blick in die Zukunft: mehr Sichtbarkeit und Vernetzung
Trotz der positiven Entwicklung sehen beide Ärztinnen weiteres Potenzial, insbesondere in der stärkeren Strukturierung gemeinsamer Prozesse und der besseren Sichtbarkeit der Versorgungskompetenz vor Ort.
„Ich wünsche mir, dass unsere gemeinsamen Behandlungspfade künftig noch stärker zum Zentrum der Versorgung werden und auch für niedergelassene Kolleginnen und Kollegen sichtbar sind“, so Jesse. „Das würde eine wichtige Versorgungslücke schließen.“
Meyer sieht ebenfalls große Entwicklungsmöglichkeiten: „Viele Patientinnen und Patienten haben neurologische Erkrankungen in Kombination mit orthopädischen oder internistischen Problemen. Genau hier liegt unser gemeinsames Potenzial.“
Dabei wird auch die gesellschaftliche Dimension deutlich: Der Bedarf an interdisziplinärer Versorgung älterer Menschen wird weiter steigen. Die Zusammenarbeit zwischen Geriatrie und Neurologie am AMEOS Klinikum Haldensleben zeigt, wie zukunftsorientierte Altersmedizin funktionieren kann: vernetzt, patientenzentriert und über Fachgrenzen hinweg.
„Alleine kann man diese komplexen Anforderungen nicht bewältigen“, fasst Jesse zusammen. „Nur im Team entsteht die beste Versorgung für unsere Patientinnen und Patienten.“

