Monatelang schieben viele Betroffene die Beule in der Leiste vor sich her, aus Angst vor dem Messer und in der stillen Hoffnung, dass sie irgendwann von selbst wieder verschwindet. Dr. Philipp Patri, Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit eigener Wahlarztordination in Wien, kennt dieses Zögern aus nahezu jeder Sprechstunde. Seine Erfahrung mit tausenden Leistenbrüchen zeigt ihm dabei stets dasselbe Bild: Wer zu lange wartet, macht die Ausgangslage für die Behandlung nicht besser, sondern schlechter.
Mit Leidenschaft zur Chirurgie
Chirurg zu werden, war nicht der ursprüngliche Plan. Seit 1992 im Medizinstudium in Wien, interessierte er sich zunächst vor allem für Onkologie und wissenschaftliches Arbeiten. Kurz nach dem Studium zog es ihn beruflich nach Niederösterreich, und dort, im Rahmen seines Turnus, lernte er die Chirurgie erstmals in der Praxis kennen. Was ihn packte, war die Unmittelbarkeit des Fachs: Ein Patient kommt mit einem Problem, und oft reicht ein einziger Eingriff, um seinen Alltag wieder komplett herzustellen.
Nach der Rückkehr absolvierte er seine Facharztausbildung am Krankenhaus Floridsdorf. Ab 2012 leitete er an der Klinik Donaustadt die Ambulanz für Reflux- und Übergewichtschirurgie. Seit 2019 ist er als stationsführender Oberarzt an der Abteilung für Allgemeinchirurgie der Klinik Floridsdorf tätig, zusätzlich zu seiner eigenen Ordination und einer Tätigkeit als Konsiliararzt an der Privatklinik Rudolfinerhaus. Geprägt hat ihn dabei vor allem ein früherer Oberarzt, der heute sein Vorgesetzter ist.
Operieren darf niemals Selbstzweck sein.
Dr. Philipp Patri, Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Operiert wird, wenn es dem Patienten wirklich weiterhilft, nicht, weil es technisch möglich ist. Diese Haltung ist auch der Grund, warum die Standardisierung eines Eingriffs wie der Hernienchirurgie für ihn keinen Widerspruch zur Perfektion bedeutet: Gerade sie schafft den Raum, die Technik immer weiter zu verfeinern. Eine perfekte Operation zeigt sich für ihn nicht am eigenen Eindruck des Operationsverlaufs, sondern am Patienten selbst, wenn dieser Stunden später sagt, er fühle sich, als sei nichts passiert, oder nach Wochen beschwerdefrei ist.
Erste Warnzeichen eines Leistenbruchs erkennen
Ein Leistenbruch kündigt sich häufig leise an, lange bevor eine Vorwölbung sichtbar wird. Ein Ziehen in der Leiste, bei Männern manchmal bis in den Hoden ausstrahlend, ein Druckgefühl nach dem Heben, Husten oder Pressen, das in Ruhe wieder verschwindet: Diese frühen Signale werden von Betroffenen oft als harmlose Verspannung abgetan. Zum echten Notfall wird es erst, wenn plötzlich eine harte, schmerzhafte Vorwölbung auftritt, die sich nicht zurückdrücken lässt.
Der wohl größte Irrtum aus Sicht des Chirurgen ist der Glaube, ein kleiner Leistenbruch könne sich von selbst zurückbilden, und bis dahin helfe ein Bruchband. Beides hält er für gefährlich.
Ein Bruch ist wie ein Loch im Zahn, das wächst auch nicht wieder zu, nur weil man gut Zähne putzt.
Dr. Philipp Patri, Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Das Bruchband selbst bezeichnet er als längst obsolet und rät ausdrücklich davon ab. Das heißt allerdings nicht, dass jede Hernie sofort unters Messer muss: Kleine, beschwerdefreie Nabelbrüche etwa, sehr alte oder kranke Patienten ohne Einklemmungsrisiko, oder Frauen kurz nach einer Schwangerschaft begleitet er bewusst mit einem sogenannten Watchful Waiting, solange keine akute Gefahr besteht.
Die OP im Detail: Verfahren, Netz und Genesung
In seiner Ordination setzt Dr. Patri bei Leistenbrüchen fast ausschließlich auf schonende laparoskopische oder robotische Verfahren, weil sie präziser sind, das Netz besser platzieren lassen und die Nerven in der Leistenregion schonen. Die Rezidivrate, also die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bruch wiederkehrt, liegt dadurch heute im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Häufigste Risikofaktoren für ein erneutes Auftreten sind Übergewicht, Rauchen mit begleitendem Husten sowie Diabetes mit Wundheilungsstörungen.
Zum Thema Netz erklärt er, die wissenschaftliche Evidenz spreche eindeutig dafür: Komplikationen seien mit den heutigen Materialien und Techniken zur Rarität geworden. Der Eingriff selbst läuft meist mit einer Nacht zur Beobachtung oder ambulant, überwiegend in Vollnarkose. Nach 3 Wochen Schonung ist normale Alltagsbelastung möglich, nach 3 Monaten die volle Belastung, etwa im Fitnessstudio. Je nach Versicherungsstatus finden die Operationen an der Privatklinik Rudolfinerhaus oder an der Klinik Floridsdorf statt.

Zeit für Aufklärung: der erste Termin in der Ordination
Was den Wiener Mediziner von einem klassischen Praxisbetrieb unterscheidet, zeigt sich vor allem im Erstgespräch. Er nimmt sich Zeit und zeichnet die Bruchstelle oft direkt für den Patienten auf, damit dieser genau nachvollziehen kann, was bei der Operation passiert. Genauso wichtig ist ihm, offen über mögliche Komplikationen zu sprechen, so gering sie bei der Hernienchirurgie auch ausfallen, und so lange Fragen zu beantworten, bis eine echte Vertrauensbasis entsteht.
Wer mit einem ersten verdächtigen Knubbel in der Leiste zu Dr. Philipp Patri kommt, erhält einen einfachen Rat mit auf den Weg: „Anschauen lassen, keine Angst vor der Abklärung haben, und wenn es notwendig ist, operieren.“
Dr. Philipp Patri
Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie

