Zwischen Schweizergarde und Tsunami-Einsatz: Was die Arbeit eines Spitzen-Orthopäden prägt

Wie Univ. lect. ass. Prof. Dr. Gobert Freiherr von Skrbensky mit „Sustainable Surgery“ die Gelenktherapie revolutioniert

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Univ. lect. ass. Prof. Dr. Gobert Freiherr von Skrbensky – Spezialist für Sportorthopädie und Unfallchirurgie

Polospieler, die Päpstliche Schweizergarde, das Wiener Staatsballett und ein medizinischer Hilfseinsatz nach dem Tsunami in Sri Lanka gehören zu den prägenden Stationen von Univ. lect. ass. Prof. Dr. Gobert Freiherr von Skrbensky. Sie zeigen, wie breit sein Blick auf Bewegung, Belastung und Heilung geworden ist. Nach Tausenden Operationen hat der Sportorthopäde in Zürich und am See-Spital in Horgen vor allem eine klare Botschaft entwickelt. Wer Beschwerden früh ernst nimmt und richtig in Bewegung bleibt, braucht oft kein Skalpell.

Während eines Aufenthalts in Klosters wird der Mediziner von einer Fluggesellschaft gefragt, ob er medizinisches Material nach Sri Lanka begleiten könne. Er fährt nicht weiter Ski, sondern zum Flughafen. Der Einsatz nach dem Tsunami 2004 wird für ihn zu einer Erfahrung, die seinen Blick auf Verletzungen bis heute prägt. In der Medizin entscheidet oft nicht nur die richtige Therapie, sondern auch der richtige Zeitpunkt.

Aus solchen Erfahrungen entstand ein medizinisches Prinzip, das seine Arbeit bis heute prägt: früh Klarheit schaffen, gezielt handeln und den richtigen Moment für die passende Therapie finden. Der Experte für Orthopädie und Unfallchirurgie ist Assistenzprofessor an der MedUni Wien, Lektor an der TU Wien, wurde an der Mayo Clinic in Rochester ausgebildet und war an der Entwicklung von drei künstlichen Gelenken beteiligt. Seine Haltung richtet sich nicht gegen Operationen, sondern gegen vorschnelle Entscheidungen. Wo konservative Maßnahmen ausreichen, werden sie genutzt. Wo ein Eingriff sinnvoll ist, soll er präzise, rechtzeitig und mit klarer Strategie erfolgen. Im Zentrum steht immer dasselbe Ziel: Menschen wieder belastbar, beweglich und sicher in ihren Alltag zurückzubringen.

Warum Schmerzen bei Sportlern oft zu spät ernst genommen werden

Die jahrelange Betreuung der Päpstlichen Schweizergarde im Vatikan und die 15-jährige medizinische Begleitung des Wiener Staatsballetts haben seinen Blick auf Belastung und Schmerz besonders geschärft. Beide Welten stehen für Disziplin, Körperkontrolle und hohe körperliche Anforderungen.

Besonders aus der Arbeit mit Tänzerinnen und Tänzern nahm sein Team eine zentrale Erkenntnis mit. Menschen, die körperlich viel leisten, verdrängen Schmerzen oft so lange, bis aus einem kleinen Problem ein großes wird. „Das lässt sich eins zu eins auf den ambitionierten Hobbysportler übertragen.“ Deshalb setzt Prof. Skrbensky auf frühe Diagnose und frühe Behandlung, bevor Beschwerden chronisch werden oder operative Eingriffe umfangreicher ausfallen.

Schnelle Klarheit zwischen Praxis und Privatspital

In seiner Praxis an der Zürcher Bahnhofstraße nimmt sich der Gelenkspezialist Zeit, Beschwerden, Vorbefunde und Erwartungen in Ruhe einzuordnen. Wenn eine weiterführende Abklärung notwendig ist, greift das schnelle „One-Stop-Diagnostic and Therapy“-Konzept im Privatspitalumfeld in Horgen. Dort können radiologische Diagnostik, klinische Beurteilung und Therapieplanung eng ineinandergreifen. Möglich wird das durch die Zusammenarbeit von Orthopädie, Sportmedizin, Physikalischer Medizin und Radiologie. „Nur eine exakte Diagnostik kann letztlich auch zur exakten Therapie führen.“

Für Patientinnen und Patienten aus dem Ausland gibt es zusätzlich ein digitales Onboarding. Befunde und Bilder können vorab übermittelt werden, oft genügt bereits das Abfotografieren eines MRT- oder Röntgenbefundes. Die digitale Sprechstunde ersetzt den Termin vor Ort nicht. Sie schafft aber früh Klarheit, ob ein Eingriff sinnvoll ist und wie dringend gehandelt werden sollte.

Gerade beim Knie zeigt sich, warum diese Geschwindigkeit wichtig ist. Besonders häufig werden zwei Warnzeichen übergangen. Dazu zählt ein wiederkehrendes Stechen im Gelenk, das nur „manchmal“ da ist. Ebenso problematisch ist die stille Schmerzmittel-Routine vor dem Hobbysport. Wer solche Signale monatelang ignoriert, riskiert, dass aus einem einfachen Eingriff eine aufwendige Rekonstruktion wird.

Warum „Bewegung ist Leben“ mehr ist als ein Slogan

Wenn der erfahrene Arzt über Bewegung spricht, meint er nicht nur Muskeln, Sehnen oder Gelenke. „Bewegung ist im Kleinsten relevant, in den Mitochondrien, den Kraftwerken unserer Zellen. Und sie ist im Großen relevant, für uns als soziale Wesen.“

Greifbar wird dieser Gedanke in einem einfachen Bild. Vier Freunde gehen Rennrad fahren. Einer kann plötzlich nicht mehr mithalten, weil das Knie schmerzt. „Er fällt sofort aus dieser sozialen Struktur heraus.“ Für den Mediziner ist das nicht nur ein orthopädisches Problem, sondern ein Verlust an Teilhabe. Genau hier setzen seine Programme „Back to Sports“ und „Back to Business“ an. Sie sollen Menschen zurückbringen in jenes körperliche, soziale und berufliche Aktivitätslevel, das sie vor der Verletzung hatten.

Stammzellen, Eigenblut und der Knorpel als gotisches Fenster

In der ACP- beziehungsweise PRP-Therapie arbeitet das Team mit körpereigenen Heilungsprozessen. Blut wird entnommen, zentrifugiert und anschließend so aufbereitet, dass die heilenden Bestandteile direkt in geschädigte Sehnen oder Gelenke zurückgespritzt werden können. Bei größeren Schäden kommen Stammzellen aus Knochenmark oder Bauchfett zum Einsatz. Es sind körpereigene Zellen, die sich noch zu unterschiedlichen Geweben entwickeln können.

Für Hobbysportler ab 40 mit beginnenden Knorpelschäden kann das ein entscheidender Vorteil sein, vor allem dann, wenn eine Operation noch aufgeschoben oder vermieden werden kann. Bei fortgeschrittenen Schäden ist die Grenze jedoch klar. Wenn ein Gelenk bereits sichtbar verformt ist, helfen biologische Verfahren nur noch selten.

Ob sich Knorpel überhaupt regenerieren kann, gehört zu den häufigsten Fragen in seiner Sprechstunde. Prof. Skrbensky beantwortet sie mit einem Bild, das hängenbleibt. „Hyaliner Knorpel ist biologisch aufgebaut wie ein gotisches Kirchenfenster, hochpräzise entlang seiner Kraftlinien.“ Bei kleineren Schäden arbeitet sein Team mit biologischen Matrizen und körpereigenen Zellen. Bei größeren Defekten kommen Teil- oder Vollprothesen zum Einsatz, robotergestützt und millimetergenau geplant.

Operieren, wenn es notwendig und sinnvoll ist

Bei einem gerissenen Kreuzband bedeutet das, dass es, wenn möglich, genäht statt ersetzt wird. So bleiben die feinen Dehnungssensoren im eigenen Band erhalten, die dem Gehirn ständig Rückmeldung geben, wie das Knie steht. Auch beim Meniskus gilt: Naht vor Entfernung. Jeder erhaltene Millimeter kann die Abnutzung im Knie auf Jahrzehnte hinaus reduzieren.
Seinen Studenten sagt der Mediziner einen Satz, der auch seine Haltung gegenüber Patienten prägt.

Wir operieren das, was notwendig und sinnvoll ist, nicht das, was möglich ist.

Univ. lect. ass. Prof. Dr. Gobert Freiherr von Skrbensky

Manche Patienten kommen in seine Sprechstunde, nachdem sie bereits mehrere Meinungen gehört haben. Dann geht es nicht darum, jemanden zu überreden. Es geht darum, Zusammenhänge verständlich zu erklären. Anatomie, Physiologie und Stoffwechselprozesse werden so nachvollziehbar gemacht, dass am Ende eine klare Entscheidung möglich wird. „Wir beraten den Patienten so, wie ein guter Anwalt seinen Klienten berät. Wir sind sozusagen die Anwälte der Gesundheit.“

Der Lifehack, der Sie vor OPs schützen kann

Auf die Frage nach dem wichtigsten Tipp für lebenslang gesunde Gelenke spricht Prof. Skrbensky nicht zuerst über Ernährung oder Krafttraining. Für ihn beginnt Prävention mit Fokussierung. „Unfälle passieren selten auf der Piste. Sie passieren auf dem Weg zur Hütte, wenn die Gedanken schon bei der Suppe sind.“

Der Rat ist einfach und gerade deshalb alltagstauglich. Bevor man losgeht, sollte man sich 30 Sekunden bewusst auf den eigenen Körper konzentrieren. Wo bin ich gerade? Was tue ich? Welche Muskeln arbeiten? Das gilt beim Joggen, Tennis, Skifahren genauso wie beim Treppensteigen. Wer fokussiert bewegt, reduziert das Risiko schwerer Unfälle.

Eine 93-Jährige, die bis heute inspiriert

Eine Patientin ist dem Operateur besonders in Erinnerung geblieben. Sie hat im Laufe der Jahre Hüft-, Knie- und Fußoperationen hinter sich gebracht und stand nach jedem Eingriff morgens um 07:30 Uhr fertig angezogen für die Physiotherapie bereit. „Sie ist ein großes Vorbild für mich.“

Aus Fällen wie diesem zieht der erfahrene Arzt eine zentrale Lehre. Die Operation ist wichtig, aber die ersten Wochen danach entscheiden oft über das Langzeitergebnis. Ernährung, gezielte Bewegung und kontrollierte Belastung gehören für ihn zur Therapie dazu. „Das wird leider oft vernachlässigt.“

Sustainable Surgery und die Zukunft der Orthopädie

Vor mehr als 30 Jahren begann an der Universitätsklinik seine Arbeit mit Robotik. Heute arbeitet sein Team in OP-Sälen, in denen Roboter, computergestützte Navigation und intelligente Instrumente nahtlos zusammenspielen. Was früher Zukunftsmusik war, ist heute Teil präziser orthopädischer Versorgung.

Den nächsten großen Entwicklungsschritt sieht der Gelenkspezialist in der biologischen Gewebewiederherstellung. Bei einer Kreuzbandoperation gewinnt sein Team beispielsweise körpereigene Stammzellen direkt aus dem Knochenkanal, der für den Eingriff ohnehin gebohrt wird. Das ermöglicht stärkere Heilung, ohne zusätzlichen Eingriff und ohne Fremdmaterial. Diesen Ansatz nennt Prof. Skrbensky „Sustainable Surgery“. „Eigene Zellen, eigener Knochen, nichts wird verworfen. Der Körper bekommt zurück, was zu ihm gehört.“

Warum die OP erst der Anfang ist

„Das sieht man schon beim ersten Händeschütteln: Es ist eine Vereinbarung des gegenseitigen Commitments.“ Für den erfahrenen Orthopäden endet eine gute Behandlung nicht mit dem letzten Schnitt. Die beste Operation nützt wenig, wenn der Patient in der Heilungsphase nicht aktiv mitarbeitet. Deshalb begleitet sein Team Patienten in den ersten Wochen bewusst engmaschig.

Was ihn nach Tausenden Operationen jeden Tag antreibt, lässt sich in einem Satz zusammenfassen. „Menschen Bewegung zu schenken und sie ihnen zu erhalten, das treibt mich an.“

Wer Univ. lect. ass. Prof. Dr. Gobert Freiherr von Skrbensky einmal die Hand geschüttelt hat, versteht: Hier spricht jemand, für den Medizin kein Beruf ist, sondern eine Haltung.

Univ. lect. ass. Prof. Dr. Gobert Freiherr von Skrbensky

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