Dein Schnarchen ist kein Spaß. Es kann dich dein Herz kosten.

Experten-Hilfe bei Schnarchen und Schlafapnoe in Hall in Tirol durch Dr. med. univ. René Fischlechner

9 Minuten Lesezeit
Dr. med. univ. René Fischlechner, HNO-Facharzt und Schlafmediziner

Du sagelst nachts wie eine Kreissäge, fühlst dich morgens wie überfahren und schiebst es auf den Stress? HNO-Facharzt und Schlafmediziner Dr. René Fischlechner aus Hall in Tirol erklärt, ab wann aus harmlosem Schnarchen eine gefährliche Schlafapnoe für Herz und Hirn wird, warum der TikTok-Trend Mouth Taping riskant ist und wie eine einzige Nacht in den eigenen vier Wänden Klarheit bringt.

Was nachts mit dir passiert, weißt du nicht

Acht Stunden, jede Nacht, ein Drittel deines Lebens. Und du bekommst nichts davon mit. Genau hier wird es für Dr. René Fischlechner spannend. Der HNO-Facharzt mit Ordinationen in Hall in Tirol und Fulpmes im Stubaital hat sich auf das spezialisiert, was im Dunkeln abläuft. „Mich fasziniert, was ein gesunder Schlaf bewirkt, für die körperliche Gesundheit und beim Schnarchen auch für die Beziehung“, sagt er. 
Wie ernst er das Thema nimmt, bringt Dr. Fischlechner in einem einzigen Bild auf den Punkt, wenn er beschreibt, was bei echten Atemaussetzern in der Nacht passiert.

Das ist kein gemütliches Dahinsageln mehr. Das ist ein Kampf um Luft.

Dr. med. univ. René Fischlechner, HNO-Facharzt und Schlafmediziner

Ab wann wird Schnarchen gefährlich?

Erst die Entwarnung: Nicht jedes Schnarchen ist gefährlich. Wer auf dem Rücken liegt, bei dem erschlafft das Gewebe im Rachen. Gaumensegel, Zäpfchen und Zungenwurzel sacken zurück, die Schwerkraft drückt nach, der Atemweg wird eng, das Gewebe flattert. Nervig für die Person daneben. Medizinisch meist harmlos.

Richtig kritisch wird es woanders, bei echten Atemaussetzern, der Schlafapnoe. Dann steht die Atmung still. Zehn Sekunden, fünfzehn, manchmal länger, bis der Körper Alarm schlägt und du nach Luft schnappst, als wärst du nach einem zu langen Tauchgang an die Oberfläche geschossen. Kein gemütliches Dahinsageln mehr, sondern ein Kampf um Luft, wie es Dr. Fischlechner nennt. Typische Warnzeichen sind lautes, unregelmäßiges Schnarchen, beobachtete Atemaussetzer und eine bleierne Müdigkeit am Tag.

Wie ernst es steht, verrät eine einzige Kennzahl: der AHI, der Apnoe-Hypopnoe-Index, also die Zahl der Atemaussetzer pro Stunde. Bis zu fünf sind völlig normal, da muss sich niemand den Kopf zerbrechen. Zwischen fünf und fünfzehn wird es leichtgradig, zwischen fünfzehn und dreißig mittelgradig. Und ab dreißig? Hochgradig. Spätestens dann ist Schluss mit Abwarten, dann besteht dringender Handlungsbedarf.

Wie Schlafapnoe dein Herz belastet

Klingt dramatisch? Ist es auch. Bei höhergradiger Schlafapnoe verdreifacht sich das Risiko für einen Herzinfarkt, das Schlaganfallrisiko vervierfacht sich sogar. Und das unabhängig von Gewicht, Rauchen oder Blutdruck. Große Langzeitstudien bestätigen diese Größenordnung.

Kommen Übergewicht, Zigaretten und Alkohol dazu, kann eine Nacht im schlimmsten Fall tödlich enden. Mitten im Schlaf. Das ist der Unterschied zwischen „nervt meine Freundin“ und „verkürzt mein Leben“.

Mouth Taping: cleverer Trick oder Risiko?

Und dann ist da dieser Trend, der gerade durch jede Timeline geistert: Mouth Taping, den Mund nachts zukleben, damit man durch die Nase atmet. Klingt nach cleverem Biohack, ist aber das Gegenteil. Klar, deine Nase wärmt, befeuchtet und filtert die Luft.
Doch wenn sie dicht ist, schaltet der Körper auf den Mund um, seinen Notausgang. Wer den verklebt, erhöht den Atemwiderstand mit Absicht. Keine gute Idee. Eine behinderte Nasenatmung gehört fachärztlich abgeklärt und behoben, nicht überklebt. 
Mouth Taping ist eher gefährlicher Blödsinn, warnt Dr. René Fischlechner.

Schlaflabor-Wartezeit umgehen: der Somno Check für zu Hause

Das eigentliche Nadelöhr ist die Wartezeit. Bis zu eineinhalb Jahre dauert es in Österreich auf einen Platz im öffentlichen Schlaflabor. Wer aus Hall in Tirol, dem Raum Innsbruck-Land oder dem Stubaital kommt, für den geht Dr. René Fischlechner deshalb ab Herbst einen schnelleren Weg: den Somno Check. Ein kleines Messgerät, das du für eine Nacht mit nach Hause nimmst, ins eigene Bett, kein steriles Labor.

Es zeichnet auf, wie und wie laut du schnarchst, wie die Sauerstoffsättigung abfällt, ob und wie oft die Atmung aussetzt, und ob das Problem zentral oder obstruktiv ist. Steht am Ende schwarz auf weiß ein höhergradiger Befund, rückst du im Schlaflabor sofort nach vorne.

Was hilft wirklich gegen Schnarchen?

Die gute Nachricht zuerst: In den meisten Fällen bleibt das Skalpell in der Schublade. Dr. Fischlechner setzt konsequent zuerst auf den konservativen Weg. Drei Hebel bringen dabei am meisten:

—  Die Schiene. Eine Unterkieferprotrusionsschiene, am besten vom Zahnarzt angepasst, schiebt den Unterkiefer ein Stück nach vorne. Die Zunge folgt, der Atemweg bleibt offen. So steht es auch in den Leitlinien.

—  Das Gewicht. Der unterschätzte Gamechanger. Eine große, placebokontrollierte US-Studie (SURMOUNT-OSA, 2024 im New England Journal of Medicine) zeigte: Moderne GLP-1-Abnehmspritzen verbessern die Schlafapnoe bei übergewichtigen Menschen massiv, bei vielen so deutlich, dass eine OP überflüssig wird.

—  Der Lebensstil am Abend. Alkohol und späte, schwere Mahlzeiten lassen das Gewebe zusätzlich erschlaffen. Wer abends kürzertritt und sich die Rückenlage abgewöhnt, nimmt dem Schnarchen viel von seiner Wucht.

Was bei dir am besten wirkt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Der eine kommt mit einer Schiene weit, beim anderen ist das Gewicht der Knackpunkt. Deshalb ist der wichtigste Schritt der einfachste: einmal vorbeikommen und abklären lassen. Denn erst wenn klar ist, was hinter deinem Schnarchen steckt, findet sich die Lösung, die wirklich zu dir passt.

Dr. med. univ. René Fischlechner, HNO-Facharzt und Schlafmediziner bei der Untersuchung eines Patienten

Keine Angst vor der Maske

Bleibt die große Angst, die viele jahrelang vom Arzt fernhält: nachts schnaufen wie Darth Vader, einen klobigen Plastikrüssel im Gesicht. Entwarnung.

Die Maske ist die Lösung für hochgradige Fälle. Bei leicht- bis mittelgradigen reichen oft Schiene und ein paar Stellschrauben im Alltag. Und die modernen CPAP-Geräte? Flüsterleise. Das laute Zischen kennst du nur aus Hollywood.

Entscheidend ist ohnehin, was danach passiert. Dr. Fischlechner erzählt von einem Patienten, der mit Maske zum ersten Mal seit Jahren sieben Stunden am Stück durchschlief und morgens so verwirrt war, dass er glaubte, es sei kaum eine Stunde vergangen. Der Blutdruck sinkt, die Dauermüdigkeit verschwindet, die Betroffenen wirken von einem Tag auf den anderen wacher. „Wenn sie merken, wie gut das tut, ist die Maske überhaupt kein Thema mehr“, betont der Schlafmediziner.

Der Arzt nimmt sich selbst beim Wort

Dass er nicht von oben herab doziert, beweist Dr. Fischlechner an sich selbst. Sein eigener Schlaf läuft seit einem halben Jahr nicht rund. Erst war es der Stress, dann das eine oder andere Bier am Abend, ein ausgefranster Rhythmus, zu wenig Sport, die üblichen Verdächtigen. Seine Konsequenz? Er hat sich selbst einen Termin im Schlaflabor geholt. „Ich brauche es nicht nur predigen“, räumt er ein. Vielleicht steckt ja eine Apnoe dahinter, von der er nichts ahnt. Und falls am Ende eine Maske nötig wäre, würde er sie sofort nehmen. Ohne mit der Wimper zu zucken.

Die wichtigste Botschaft

Seine Botschaft ist am Ende so einfach wie unbequem: Nimm schlechten Schlaf nicht einfach hin, lass ihn abklären. Schlaf ist deine wichtigste Quelle für Regeneration, und Dr. Fischlechner hat dafür ein Bild, das hängen bleibt. Stell dir vor, dein Akku lädt jede Nacht nur auf 35 Prozent statt auf 90. Genau so fühlt sich schlechter Schlaf an, Tag für Tag, für Kopf, Körper und Leistung. Die Lösung gibt es. Du musst sie dir nur holen.

Dr. med. univ. René Fischlechner

Facharzt für Hals Nasen Ohren

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