Nerven und Psyche lassen sich nicht getrennt betrachten. Was das für Patientinnen und Patienten bedeutet, erklärt Dr. Wojciech Kotkowski, Oberarzt für Neurologie am AMEOS Privatklinikum Bad Aussee.
Mehr als ein einzelner Termin
Untersuchung, Diagnose, Therapieempfehlung: für viele Patientinnen und Patienten ist das Thema nach einem einzigen Termin beim Neurologen abgehakt. Dr. med. Wojciech Kotkowski, Oberarzt für Neurologie am AMEOS Privatklinikum Bad Aussee, begleitet die Menschen, die zu ihm kommen, dagegen über viele Wochen. Denn erst in dieser Zeit zeigt sich, wie eng neurologische Erkrankungen mit der Psyche verwoben sind.
Neurologie ist nie nur Nervensache
Die Neurologie hat ihn von Anfang an fasziniert, weil sie zu den komplexesten Fächern der Medizin gehört. Das Nervensystem steuert nahezu jede Funktion des Körpers und hängt zugleich eng mit Gedanken, Gefühlen und Verhalten zusammen. Mit den Jahren sah er immer deutlicher, wie oft beides ineinandergreift: Ein krankes Nervensystem kann Stimmung und Belastbarkeit beeinträchtigen, umgekehrt können seelische Belastungen körperliche Symptome verstärken und den Verlauf beeinflussen. Nur eine der beiden Seiten zu betrachten, greift deshalb zu kurz.
Nerven und Psyche lassen sich nicht getrennt betrachten – wir behandeln den ganzen Menschen.
Dr. med.
Wojciech Kotkowski am AMEOS Privatklinikum Bad Aussee
Ein besonderer Schwerpunkt der neurologischen Arbeit liegt für Dr. Kotkowski im Verständnis des engen Zusammenspiels zwischen neurologischen Funktionen, psychischer Verarbeitung und psychosomatischen Beschwerden. Das Nervensystem steht in ständigem Austausch mit anderen körperlichen Systemen und beeinflusst, wie wir Reize wahrnehmen, verarbeiten und auf Belastungen reagieren. Umgekehrt können psychische und psychosomatische Prozesse neurologische Beschwerden verstärken oder deren Wahrnehmung verändern. Dieses Zusammenspiel zu verstehen, ist für eine individuell abgestimmte Behandlung von großer Bedeutung.
Warum er an dieses Haus zurückkam
Neu ist Dr. Kotkowski am AMEOS Privatklinikum Bad Aussee nicht: Er hat hier schon einmal gearbeitet, war danach acht Jahre an anderen Einrichtungen tätig, unter anderem am Landeskrankenhaus Bad Aussee und als Notarzt, und gehört inzwischen wieder zum Team.
Zurückgeholt hat ihn vor allem die Möglichkeit, Neurologie und Psychosomatik eng miteinander zu verknüpfen, dazu die ruhige Umgebung des Ausseerlandes, die der Genesung seiner Patientinnen und Patienten zugutekommt. Fachlich spannend und menschlich bereichernd hatte er die Arbeit hier schon früher erlebt. Genau diese Mischung wollte er wieder.
Mehr als Diagnose und Therapieplan
Die klassische Neurologie konzentriert sich in erster Linie darauf, Erkrankungen des Nervensystems zu erkennen und zu behandeln. Hier kommt hinzu, was eine solche Diagnose sonst noch verändert: die seelischen Folgen, die Einschränkungen im Alltag und die Auswirkungen auf das persönliche Umfeld. So entsteht ein vollständigeres Bild, und die Therapie lässt sich genauer auf den einzelnen Menschen zuschneiden.
Der Oberarzt überprüft dabei regelmäßig den neurologischen Befund und passt die Behandlung an aktuelle Leitlinien und individuelle Symptome an, während psychiatrische, psychologische und psychotherapeutische Maßnahmen parallel bei der Krankheitsbewältigung helfen. Was die beteiligten Fachrichtungen sehen, tragen sie regelmäßig zusammen, sodass die Behandlungskonzepte im direkten Gespräch entstehen.
Über die Wochen entsteht ein Vertrauensverhältnis. Gleichzeitig lässt sich Schritt für Schritt beobachten, wie sich Befinden und Beschwerden verändern.

Wer hier aufgenommen werden kann
Mit der neurologischen Betreuung hat sich auch das Behandlungsspektrum des Hauses erweitert. Aufgenommen werden seither auch Menschen mit chronischen neurologischen Erkrankungen, etwa mit Parkinson, Multipler Sklerose, Polyneuropathien oder in frühen Stadien einer Demenzerkrankung. Voraussetzung ist, dass sie körperlich stabil genug sind, sich selbst zu versorgen, sich zu bewegen und aktiv an den Therapien teilzunehmen.
Gerade bei solchen Erkrankungen ist es wichtig, die Aufmerksamkeit nicht nur auf die neurologischen Beschwerden zu richten, sondern auch ihre Auswirkungen auf Stimmung, Belastbarkeit und den Alltag zu betrachten.
Im Aufbau ist derzeit die Diagnostik und Behandlung von ADHS im Erwachsenenalter.
Ein Ansatz, der den ganzen Menschen sieht
Die enge Verbindung von Neurologie und Psychosomatik ermöglicht einen ganzheitlichen Blick auf den Menschen. Die verschiedenen Fachrichtungen tauschen sich regelmäßig aus und stimmen ihre Behandlung gemeinsam ab.
„Mir ist es wichtig, Patientinnen und Patienten nicht nur einmal zu sehen, sondern sie während ihres mehrwöchigen stationären Aufenthalts begleiten zu können“, sagt Dr. Kotkowski. So lässt sich beobachten, wie sich Beschwerden und Befinden im Verlauf verändern und die Behandlung entsprechend anpassen.
Was bei einem einzelnen Termin oft nur eine Momentaufnahme bleibt, kann während eines mehrwöchigen Aufenthalts umfassender verstanden und behandelt werden. Genau darin liegt der besondere Ansatz am AMEOS Privatklinikum Bad Aussee: Nerven und Psyche werden nicht getrennt betrachtet, sondern in ihrem engen Zusammenspiel verstanden und behandelt.

