Ein Blick hinter die Kulissen des AMEOS Klinikums Bad Salzuflen

Spezialisierte psychotherapeutische Unterstützung und Trauma-Hilfe in Bad Salzuflen

7 Minuten Lesezeit
Annika Gerdtommarkotten, Psychotherapeutin in der Spezialisierten Traumaambulanz am Ameos Klinikum Bad Salzuflen

Annika Gerdtommarkotten ist Psychotherapeutin in der Spezialisierten Traumaambulanz des AMEOS Klinikum Bad Salzuflen. Wie sie arbeitet, zeigt sich schon an ihrem ersten Arbeitstag. Mit achtzehn beginnt sie auf einer geschützten psychiatrischen Station, in einem Alter, in dem viele eher auf Abstand gehen würden. Sie geht näher heran. Während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres erlebt sie zum ersten Mal, was es heißt, einen Menschen in seiner schwersten Stunde nicht allein zu lassen. Der Gedanke, der sie an diesem Ort packt, lässt sie bis heute nicht mehr los: Das ist es. Jedem, der ihr in der Traumaambulanz gegenübersitzt, begegnet sie mit derselben Grundhaltung. Erst zuhören. Nicht urteilen.

Früh wusste sie, wohin sie gehört

Schon als Kind gilt Frau Gerdtommarkotten als kommunikativ und neugierig, als jemand, der Menschen verstehen will. Das Interesse an dem, was hinter dem Verhalten liegt, ist lange da. Aber erst auf der geschützten Station, mitten in einem multiprofessionellen Team, wird aus dem Interesse eine Berufung. Diese frühe Erfahrung prägt bis heute ihre Arbeit am AMEOS Klinikum Bad Salzuflen.

Zwei Therapieschulen, weil ein Werkzeug nicht reicht

Annika Gerdtommarkotten ist approbierte Tiefenpsychologin und denkt psychodynamisch. Sie will verstehen, wie alte Beziehungserfahrungen und innere Konflikte das formen, was ein Mensch heute fühlt. Zugleich macht sie die Weiterbildung zur Verhaltenstherapeutin, um ihren Patientinnen und Patienten etwas mitzugeben, das im Alltag trägt. Theorie allein genügt ihr nicht. An den Psychologen Carl Rogers, den Begründer der klientenzentrierten Gesprächstherapie, schätzt sie drei Dinge, die sie zu ihren eigenen gemacht hat: Echtheit, Wertschätzung, Empathie. Wer ihr gegenübersitzt, merkt schnell, ob da jemand wirklich da ist. Am AMEOS Klinikum führt sie beide Schulen zu einer Arbeitsweise zusammen, die nicht auf ein Schema setzt, sondern auf den einzelnen Menschen.

Dass dieser Ansatz gebraucht wird, merkt sie täglich. Wir leben in einer Zeit enormer Möglichkeiten, die zugleich verunsichern kann. Frau Gerdtommarkotten verweist gern auf den amerikanischen Psychotherapeuten und Bestsellerautor Irvin Yalom: Freiheit bedeute immer auch Verantwortung, und Verantwortung bringe Unsicherheit mit sich. Zusammen mit dem ständigen Vergleichsdruck der sozialen Netzwerke und den täglichen Krisenmeldungen führt das bei vielen Menschen zu echter Überforderung.

Sie lernt von den Menschen, die zu ihr kommen

Was sie hält, ist, dass kein Tag dem anderen gleicht. Neue Biografien, neue Geschichten, neue Perspektiven. Ihren größten Respekt haben dabei nicht die Lehrbücher, sondern die Patientinnen und Patienten selbst. Viele von ihnen haben enorme Belastungen getragen und trotzdem einen Weg gefunden weiterzumachen. Zu ihr kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen Themen: hohe Leistungsansprüche an sich selbst, Zukunftsängste, Konflikte in Beziehungen. Gerade bei jüngeren Menschen begegnen der Psychotherapeutin am AMEOS Klinikum zudem oft dieselben Fragen: Wer bin ich, wo gehöre ich hin, was will ich mit meinem Leben anfangen. Darin sieht sie auch eine späte Folge der Corona-Jahre, die jetzt in den Kliniken ankommt.

Austausch im Team

Warum „schwach“ das falsche Wort ist

Über das eigene Innenleben zu sprechen, fällt vielen noch schwer. Die Offenheit ist in den letzten Jahren gewachsen, doch Scham und die Angst, als schwach zu gelten, erlebt die Therapeutin weiter. Sie hält ruhig dagegen: Psychische Belastung ist nichts Fremdes, sie gehört zum Menschsein. Manchmal beginnt Veränderung schon in dem Moment, in dem jemand merkt, dass er am AMEOS Klinikum aussprechen darf, was ihn beschäftigt, ohne dafür bewertet zu werden.

Gefühle sind keine Gegner

An einem Punkt wird sie besonders deutlich. „Gefühle sind dafür da, gefühlt zu werden, nicht dafür, sich für sie zu verurteilen oder sie möglichst schnell wegzumachen“, sagt sie. In einem Gefühl stecke fast immer eine Botschaft. Wer lernt, sie zu lesen, statt sie wegzudrücken, gewinnt Spielraum. Im besten Fall nehmen ihre Patientinnen und Patienten aus der Therapie eine neue Beziehungserfahrung mit und mehr Freiheit im Umgang mit alten Mustern. Genau darauf zielt ihre Arbeit am AMEOS Klinikum Bad Salzuflen.

Gefühle sind dafür da, gefühlt zu werden, nicht dafür, sich für sie zu verurteilen.

Annika Gerdtommarkotten, Psychotherapeutin am Ameos Klinikum Bad Salzuflen

Ein Plädoyer für die Seele

Für die Zukunft wünscht sie sich vor allem eines: dass psychische Erkrankungen ihren Schrecken verlieren und offener behandelt werden. „Psychische Gesundheit sollte denselben Stellenwert haben wie körperliche Gesundheit“, fordert sie. Und ganz pragmatisch fügt sie hinzu, dass Kürzungen bei der psychischen Versorgung aus ihrer Sicht der völlig falsche Weg wären.

Ein kleines Team, kurze Wege

Dass sie am AMEOS Klinikum Bad Salzuflen gern arbeitet, liegt am Miteinander. Das Team ist überschaubar, Entscheidungen fallen schnell, und es bleibt Raum, eigene Ideen einzubringen. Viele Kolleginnen und Kollegen, sagt sie, seien mit echtem Herzblut bei der Sache. Ihren eigenen Ausgleich findet sie im kollegialen Austausch mit anderen Therapeutinnen und Therapeuten, in Supervision und Intervision, vor allem aber draußen, in Natur und Bewegung.

„Holen Sie sich Hilfe“

Wer spürt, dass Druck, Angst oder Überforderung den Alltag bestimmen, muss damit nicht allein bleiben. Die Spezialisierte Traumaambulanz des AMEOS Klinikum Bad Salzuflen ist eine Anlaufstelle, an der genau dieses erste Gespräch möglich ist. Einen Satz gibt die Psychotherapeutin jedem mit auf den Weg: „Hören Sie sich selbst und anderen mit etwas mehr Freundlichkeit zu, nehmen Sie sich ernst und holen Sie sich Hilfe.“

AMEOS Klinikum Bad Salzuflen

Annika Gerdtommarkotten, Psychotherapeutin am Ameos Klinikum Bad Salzuflen

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