Vordere Kreuzbandverletzungen (ACL-Verletzungen) gehören zu den häufigsten und schwerwiegendsten Verletzungen im Sport. Doch wie hoch ist das individuelle Risiko, sich beim Sport das Kreuzband zu reißen? Eine systematische Übersichtsarbeit von Montalvo et al. (2019) analysierte 58 Studien, um diese Frage zu beantworten.
Wie häufig treten Kreuzbandverletzungen auf?
Die Untersuchung ergab eine gepoolte Inzidenz von 2,8 % aller Sportler, was bedeutet, dass sich eine ACL-Verletzung statistisch gesehen bei einem von 36 Sportlern ereignet.
Frauen sind häufiger betroffen:
- 3,5 % der weiblichen Sportlerinnen erlitten eine ACL-Verletzung → eine von 29 Athletinnen
- 2,0 % der männlichen Sportler erlitten eine ACL-Verletzung → ein von 50 Athleten
Das relative Risiko (RR) für eine ACL-Verletzung war bei Frauen 1,5-mal höher als bei Männern. Die Häufigkeit der Verletzungen pro 10.000 Athleteneinsätzen (AE) lag bei:
- 1,9 Verletzungen pro 10.000 AE bei Frauen
- 0,9 Verletzungen pro 10.000 AE bei Männern
Die Inzidenzrate von ACL-Verletzungen war somit bei weiblichen Sportlern 1,7-mal höher als bei männlichen.
Warum sind Frauen häufiger betroffen?
Die höhere Anfälligkeit für Kreuzbandverletzungen bei Frauen hat verschiedene Gründe:

- Anatomische Unterschiede: Frauen haben oft ein breiteres Becken, eine andere Beinachse und eine schmalere Kreuzbandstruktur.
- Hormonelle Einflüsse: Schwankungen im Hormonhaushalt können die Stabilität des Bandapparates beeinflussen.
- Neuromuskuläre Unterschiede: Unterschiede in der Muskelaktivierung und -koordination können das Verletzungsrisiko erhöhen.
Wie kann das Risiko gesenkt werden?
Da Kreuzbandverletzungen eine lange Rehabilitationszeit erfordern und oft einen chirurgischen Eingriff nötig machen, ist Prävention besonders wichtig:
- Gezieltes Kraft- und Stabilisationstraining zur Stärkung der Muskulatur um Knie und Hüfte
- Verbesserung der Sprung- und Landetechnik zur Reduktion der Belastung auf das Kreuzband
- Neuromuskuläres Training, um Bewegungsmuster zu optimieren und Verletzungsmechanismen zu vermeiden
Fazit: Wer ist besonders gefährdet?
ACL-Verletzungen treten häufiger bei weiblichen Sportlern auf als bei männlichen. Frauen haben ein 1,5- bis 1,7-fach höheres Risiko, sich das vordere Kreuzband zu reißen. Diese Unterschiede bestehen unabhängig vom Leistungsniveau. Präventionsprogramme mit gezieltem Training können jedoch helfen, das Risiko deutlich zu senken und Sportverletzungen vorzubeugen.

