Es ist mitten im Dienst. Eine Pflegekraft bemerkt, dass Frau W. weint und ihre Tasche packt. Sie ist dement und überzeugt, nach Hause zu müssen. Der Pfleger setzt sich zu ihr, nimmt ihre Hand und hört zu, bis sie sich beruhigt. Was in diesem Moment im Hintergrund passiert, fällt kaum auf: Sein Team übernimmt still seine restlichen Aufgaben. Einer springt für seine Runden ein, eine Kollegin bringt Frau W. einen Tee. Kein Protokoll, keine Absprache. Einfach ein Team, das füreinander da ist.
Genau das meint Zladica Vijorovic, Pflegedienstleitung des Seniorenwohnhauses Köstendorf, wenn sie sagt: „Fühlt sich der Mitarbeiter wohl, fühlt sich der Bewohner wohl.“ Im SWH Köstendorf, einem Haus mit 51 Bewohnerinnen und Bewohnern im Herzen des Salzburger Flachgaus, ist das keine Absichtserklärung. Es ist der Alltag.
Wenn jemand gerne zur Arbeit kommt, merkt man das. Die Bewohnerinnen und Bewohner merken das. Und genau das ist es, wofür wir jeden Tag arbeiten.
Zladica Vijorovic, Pflegedienstleitung SWH Köstendorf
Ein Ort, an dem man gerne zur Arbeit kommt
Wer in der Pflege arbeitet, weiß wie selten das ist. Fachkräftemangel, Einspringdienste, das Gefühl unsichtbar zu sein. Das Seniorenwohnhaus Köstendorf ist in diesem Punkt eine Ausnahme, die auffällt. Kaum Personalwechsel, ein stabiles Kernteam, langjährige Kolleginnen und Kollegen, die Neue von Anfang an mitnehmen.
Mit 51 Bewohnerinnen und Bewohnern ist das Haus bewusst überschaubar. Man kennt die Menschen, ihre Eigenheiten, ihre Geschichten. Wer hier arbeitet, ist keine Nummer. Es gibt Wunschdienstpläne, keine kurzfristigen Einspringdienste, Fortbildungen und moderne Hilfsmittel. Verlässliche Freizeit ist kein Zugeständnis, sondern selbstverständlich. Und weil das Haus klein ist, endet die Zusammenarbeit nicht an Abteilungsgrenzen. Pflege, Küche und Betreuung arbeiten täglich miteinander, nicht nebeneinander.
Altenpflege, die mehr ist als Pflege
Konzerte, Feste, Hochbeete im Garten, Ausflüge in die Umgebung zwischen Wallersee und Salzburg. Im SWH Köstendorf ist das Alltag. Das Klischee vom stillen Altersheim passt hier nicht. Wer hier arbeitet, gestaltet Lebensqualität. Das gemeinsame Frühstück mit den Bewohnern, der Ausflug in den Garten, der Moment in dem jemand zum ersten Mal seit Wochen lacht. Medizinische Verantwortung und menschliche Wärme gehen dabei Hand in Hand.
Das Team aus der Pflege lebt eine klare Philosophie: „Wir begleiten hier Menschen nicht einfach nur ins Bett. Wir schenken ihnen einen schönen Lebensabend.“
Dass das ankommt, zeigt ein Leserbrief, der das Team vor Kurzem tief bewegt hat. Eine Familie schrieb nach dem Tod ihres Bruders: „Die einfühlsame Betreuung, die respektvolle Begleitung und die große menschliche Wärme haben uns tief berührt. Auch die Verabschiedung im Heim mit Bewohnern und Personal war unbeschreiblich bewegend. Es ist tröstlich zu wissen, dass unser Bruder in einem Umfeld betreut wurde, in dem nicht nur professionelle Pflege, sondern auch Herzlichkeit und Mitgefühl spürbar waren.“
Wenn die eigene Meinung wirklich zählt
Das SWH Köstendorf setzt auf die SWH App, über die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anonym Feedback geben können. Zu Stimmung, Kommunikation, Wertschätzung, Arbeitsbedingungen. Wer etwas sagen will, sagt es. Ohne Namen, ohne Konsequenzen, ohne Umwege.
Als Gemeinde war es uns wichtig, nicht nur in die Pflege zu investieren, sondern auch in die Menschen, die sie leisten. Ich bin überzeugt, dass anonymes Feedback der ehrlichste Weg ist, einen Arbeitsplatz wirklich zu verstehen. Das Ergebnis gibt uns recht.
Verbandsbürgermeister Wolfgang Wagner
Was mit diesem Feedback passiert, ist der eigentliche Unterschied. Die Heimleitung fragt nicht, wer etwas gemeldet hat. Sie schaut, was gemeldet wurde und handelt. Als die Auswertungen der SWH App eine sinkende Zufriedenheit rund um ein neu eingeführtes EDV-System zeigten, folgte sofort eine Reaktion: Das System wurde gestoppt, vollständig neu aufgesetzt und erst danach alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam geschult. Mit Zeit, mit Raum für Fragen, ohne Druck. Aus einem messbaren Stimmungsrückgang wurde eine spürbare Verbesserung im Arbeitsalltag.
Das ist kein Einzelfall. Es ist das Prinzip.

Menschen, die hierher kommen und bleiben
Barbara ist seit Anfang 2026 im Pflegeteam. Was sie beim Start am meisten überrascht hat, war die Wärme, die ihr von Kolleginnen und Bewohnern gleichzeitig entgegengebracht wurde. Ihre Meinung war von Anfang an gefragt, und wenn sie Vorschläge machte, passierten daraus auch Dinge. Barbara spricht auch offen über schwierige Momente. Das Sterben von Bewohnerinnen und Bewohnern gehört zur Arbeit. „Aber auch hier wurde mir mit Gesprächen im Team geholfen, das leichter zu verarbeiten.“ Nicht jedes Arbeitsumfeld leistet das. Hier schon.
Kathi kam 2024 als Küchenhilfe ins Haus. Heute ist sie Köchin. Die Ausbildung hat die Küchenleitung aktiv unterstützt und begleitet. Wenn Kathi Ideen für den Speiseplan einbringt, werden sie gehört und manchmal auch umgesetzt. Für sie sagt das alles: „Arbeiten kann auch Spaß machen. Und es ist so wichtig, gerne zur Arbeit zu gehen.“
Hier wird deine Leistung gesehen, dein Einsatz anerkannt und beides laut ausgesprochen.
Elisabeth Wuppinger bringt in drei Worten auf den Punkt, wofür das SWH Köstendorf steht: Leben, Lachen, Lieben. Dahinter steckt all das, was gute Pflege ausmacht: Einfühlungsvermögen, Wertschätzung und das ehrliche Bemühen, dass sich Menschen wohlfühlen – Bewohnerinnen und Bewohner ebenso wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
An ihr Team richtet sie klare Worte: „Ihre Arbeit ist nicht nur fachlich herausragend, sondern vor allem menschlich unbezahlbar. Danke, dass Sie so sind, wie Sie sind.“
Das SWH Köstendorf zeigt, dass Pflege genau so sein kann: professionell, menschlich und voller Wertschätzung.

