Die Frage, ob es Menschen gibt, die nicht auf sportliches Training ansprechen, beschäftigt die Sportwissenschaft seit Jahrzehnten. Während manche Personen durch gezieltes Training deutliche Fortschritte erzielen, scheinen andere kaum Anpassungen zu erfahren. Doch bedeutet dies wirklich, dass es „Non-Responder“ gibt? Oder müssen wir den Begriff neu überdenken? Eine aktuelle Übersichtsarbeit von Pickering & Kiely (2019) liefert interessante Erkenntnisse.
Die Problematik des Begriffs „Non-Responder“
In der Wissenschaft wird der Begriff „Non-Responder“ für Personen verwendet, die nach einer Trainingsintervention keine messbaren Verbesserungen zeigen. Doch diese Bezeichnung kann irreführend sein. Sie suggeriert, dass Sport für diese Menschen keine Vorteile bringt – eine Annahme, die nicht nur wissenschaftlich fragwürdig, sondern auch aus gesundheitlicher Sicht problematisch ist.
Regelmäßige Bewegung hat zahlreiche nachgewiesene positive Effekte, darunter:
- Reduktion des Adipositasrisikos
- Verbesserung der kardiometabolischen Gesundheit
- Erhalt der Funktionsfähigkeit im Alter
- Positive Effekte auf die psychische Gesundheit
- Senkung des Risikos für verschiedene chronische Erkrankungen
Daher ist es sinnvoller, von Personen zu sprechen, die „did not respond“ (keine messbare Reaktion gezeigt haben), anstatt sie als „Non-Responder“ abzustempeln.
Warum bleiben Trainingsanpassungen manchmal aus?
Ob und wie sich eine Person durch Training anpasst, hängt von mehreren Faktoren ab:

- Trainingsmodalität: Wer auf eine bestimmte Trainingsform (z. B. Ausdauertraining) nicht anspricht, könnte durch eine andere (z. B. Krafttraining) Fortschritte erzielen.
- Trainingsdauer: Vielleicht war die Intervention zu kurz, um Anpassungen hervorzurufen.
- Individuelle Variabilität: Manche Menschen benötigen längere Zeit oder ein anderes Belastungsprofil, um messbare Erfolge zu erzielen.
Ein Beispiel: In einer Studie mit Cross-over-Design (Hautala et al., 2006) zeigten einige Personen nach einem Ausdauertraining keine Verbesserungen der VO₂max – jedoch nach einem Krafttraining. Dies deutet darauf hin, dass Menschen, die in einer Trainingsform nicht ansprechen, durch eine andere Methode trotzdem Fortschritte machen können.
Messprobleme: Ist der „Non-Responder“ nur eine falsche Einstufung?
Oft hängt die Diagnose „Non-Responder“ davon ab, welche Parameter gemessen werden. Eine Person, die ihre VO₂max nicht steigert, könnte dennoch Kraft, Schnelligkeit oder Beweglichkeit verbessert haben.
Zudem können Testverfahren selbst zu Fehldeutungen führen. Ein VO₂max-Test erfordert etwa hohe Motivation – wenn diese fehlt, spiegelt das Testergebnis nicht unbedingt die tatsächliche physiologische Anpassung wider.
Ein weiteres Problem: Es gibt keine einheitliche Definition für „Non-Response“. Manche Studien definieren es als das Fehlen einer messbaren Veränderung, andere als ein Ergebnis innerhalb einer statistischen Fehlergrenze. Dies macht Vergleiche zwischen Studien schwierig und könnte die wahre Prävalenz von „Non-Respondern“ verzerren.
Was tun, wenn Training scheinbar nicht wirkt?
Wenn eine Person keine messbaren Anpassungen zeigt, gibt es mehrere Strategien, um dennoch Fortschritte zu erzielen:
- Längere Trainingsdauer: Studien zeigen, dass eine längere Intervention oft doch noch zu positiven Veränderungen führt.
- Erhöhtes Trainingsvolumen: Mehr Sätze, Wiederholungen oder längere Trainingseinheiten können helfen.
- Höhere Intensität: Eine stärkere Belastung (z. B. höhere Gewichte, höhere Laufgeschwindigkeit) kann den Körper stärker fordern.
- Variation des Trainings: Ein Wechsel von Ausdauer- zu Krafttraining oder Intervalltraining kann oft zu neuen Anpassungen führen.
Fazit: Gibt es Non-Responder?
Basierend auf den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen ist es unwahrscheinlich, dass es echte Non-Responder gibt. Vielmehr hängt das individuelle Ansprechen auf Training von zahlreichen Faktoren ab – darunter Genetik, Trainingsart, Dauer, Intensität und Testmethoden. Zudem profitieren alle Menschen von körperlicher Aktivität, selbst wenn nicht alle Parameter messbare Verbesserungen zeigen.
Anstatt Menschen vorschnell als „Non-Responder“ zu klassifizieren, sollten wir Trainingsprogramme flexibel anpassen und alternative Methoden nutzen, um individuelle Fortschritte zu ermöglichen.

